Tel Aviv. Das iranische Atomprogramm und die auch von Deutschland missbilligte Siedlungspolitik Israels in den besetzten palästinensischen Gebieten standen im Mittelpunkt des Gespräches, das der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck am Mittwoch mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu führte.

Bereits auf einem von Präsident Shimon Peres am Dienstagabend gegebenen Staatsbankett hatte Gauck Israel dazu aufgerufen, in der Siedlungspolitik Flexibilität zu zeigen. Die Führung der Palästinenser wolle den Frieden, müsse sich aber gegenüber radikalen Kräften behaupten. "Deshalb wünscht mein Land, wünscht die EU sich, und wünsche auch ich mir, dass Israel in der Siedlungspolitik ein Zeichen setzt", sagte Gauck.

Die Regierung in Berlin hatte die israelische Regierung zuletzt wegen der Genehmigung weiterer jüdischer Siedlungen im besetzten Westjordanland kritisiert, weil damit zusätzliche Hindernisse für den Friedensprozess errichtet würden, der seit 2010 wegen der Weigerung Israels blockiert ist, den Siedlungsbau auf okkupiertem Gebiet einzustellen.

Heute, Donnerstag, trifft Gauck in Ramallah mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und Premier Salam Fayyad zusammen.

Bewegende Worte im Gästebuch von Yad Vashem

Sieben Minuten lang brauchte Gauck nach dem Rundgang durch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem für seine Eintragung in das Gästebuch,fürdie er bewegende Worte fand: "Wenn du hier gewesen bist, sollst du wiederkommen. Zuerst nur: die Flut der Gefühle, erschrecken vor dem Ausmaß des Bösen, mitleiden, mitfühlen, trauern - wegen eines einzigen Kinderschicksals oder wegen der Millionen unschuldiger Opfer. Und wiederkommen sollst du, weil auch du wissen kannst: Namen der Opfer - wieviele kennst du? Namen der Täter - deutsche zumeist - Verursacher, Vollstrecker, auch Namen von Schreckensorten wirst du dir einprägen und wirst erschrecken vor dem brutalen Interesse von ,Herrenmenschen‘. So wirst du dann hier stehen und dein Gefühl, dein Verstand und dein Gewissen werden dir sagen: Vergiss nicht! Niemals. Und steh zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften."