Die radikal-islamistische Sekte Boko Haram hat wieder zugeschlagen. Bei Angriffen auf Kirchen im Norden Nigerias kamen drei Menschen ums Leben, mehrere Personen wurden verletzt.

Nigerias Polizisten in Alarmbereitschaft. Die Boko Haram lässt dem afrikanischen Land keine Ruhe. - © APAweb/Sunday Alamba/AP
Nigerias Polizisten in Alarmbereitschaft. Die Boko Haram lässt dem afrikanischen Land keine Ruhe. - © APAweb/Sunday Alamba/AP

In Biu Town stürmten Bewaffnete die Kirche und schossen auf die Gläubigen. Ein Augenzeuge sagte: "Viele Menschen wurden getötet und verletzt." Die Polizei sprach von einer Toten. In Jos detonierte eine Autobombe vor dem Eingang der Christ Chosen Church. Dabei wurden 41 Menschen verletzt. Jugendliche griffen daraufhin Zuschauer an. In Nigeria liegen die Opferzahlen der Behörden häufig unter denen von Augenzeugen. Zu beiden Anschlägen bekannte sich Boko Haram. "Wir werden damit fortfahren, bis wir unser Ziel erreichen", sagte ein Sprecher der Gruppe.

Bei Vergeltungstaten aufgebrachter Christen kamen fünf Muslime ums Leben, wie der Sprecher der Spezialeinheit der nigerianischen Armee (STF), Markus Mdahyelya, am Montag bestätigte. Bei den Opfern der Vergeltungsaktion handle es sich um Motorrad-Taxifahrer aus der zentralnigerianischen Stadt Jos, hieß es. Die jugendlichen Christen reagierten mit dem Racheakt auf zwei Attacken auf Kirchen, bei denen am Wochenende mindestens sieben Menschen getötet und Dutzende verletzt worden waren. "Wir rufen die Menschen dazu auf, das Gesetz nicht in die eigene Hand zu nehmen. Die Sicherheitsbehörden werden solche Verbrechen nicht tolerieren", sagte Mdahyelya.

Bereits in der Vergangenheit gab es zahlreiche Anschläge auf Christen, zu denen sich meist Boko Haram bekannte. Der Anführer der Gruppe, Abubakar Shekau, rechtfertigt dies damit, dass Rache für die Ermordung von Muslimen in anderen Gebieten Nigerias genommen werde. Erst am Montag hatte sich Boko Haram zu einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche bekannt, bei dem zwölf Menschen ums Leben gekommen waren. Die Sekte hat Verbindungen zu anderen islamistischen Gruppen in der Region, darunter Al-Kaida.

Muslime im Norden, Christen im Süden
Nigeria ist mit mehr als 160 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Anteil von Christen und Muslimen ist weitgehend ausgeglichen, allerdings gibt es regionale Unterschiede: Der Islam dominiert den Norden, das Christentum den Süden. Boko Haram will im Norden einen muslimischen Staat errichten, in dem die Scharia befolgt wird. Die wichtigsten Ölfelder von Afrikas größtem Produzenten befinden sich im Süden des Landes.