Wien. (kats) Es ist ein altbekanntes Faktum: Österreich gibt immer weniger Geld für die Entwicklungszusammenarbeit aus. Der aktuelle Aid Watch Report des europäischen NGO-Zusammenschlusses Concord, der am Montag in Wien präsentiert wurde, führt das Ausmaß der Kürzungen allerdings noch einmal deutlich vor Augen.

Noch vor zwei Jahren hat Österreich 0,32 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungshilfe ausgegeben, vergangenes Jahr waren es nur noch 0,27 Prozent oder 796 Millionen Euro. Damit liegt das Land zwar im europäischen Mittelfeld, Michael Obrovsky von der Forschungsstiftung für internationale Entwicklung gibt allerdings zu bedenken, dass nur neun Prozent der Gesamtausgaben tatsächlich in sogenannte "Country Programmable Aid" - also Geld, über das die Partnerländer frei verfügen können - geflossen seien. Den größten Teil der Ausgaben machten die Kosten für internationale Organisationen, Administration, Entschuldungen, Flüchtlinge und Studenten aus Entwicklungsländern aus.

Im Außenministerium führt man den neuerlichen Rückgang auf die Wirtschaftskrise zurück. Dort hofft niemand mehr, dass das Millenniumsziel, dem sich auch Österreich verpflichtet hat - nämlich 0,7 Prozent des BNE bis 2015 für Entwicklungshilfe auszugeben - erreicht werden kann. Erst nach 2015 werden die Ausgaben wohl wieder steigen.

Bis dahin soll die prekäre finanzielle Situation mit einem neuen Dreijahresplan abgemildert werden. Waren diese Pläne bisher immer auf die Austrian Development Agency ADA fokussiert, so sollen ab 2013 alle Institutionen - von Ministerien über Bundesländer bis hin zu NGOs - eingebunden werden. Damit will das Ministerium ein effizienteres Vorgehen sicherstellen. Die Mittel für Projekte werden dennoch gekürzt: Standen der ADA 2010 noch 95 Millionen Euro zur Verfügung, waren es 2011 nur noch 74, 2014 sollen es 52 Millionen sein.

Ruth Picker, Geschäftsführerin der NGO-Dachorganisation AG Globale Verantwortung, rief die Regierung jedenfalls dazu auf, ihre "Gesamtverantwortung" wahrzunehmen.