Wien/Eriwan. Als erster österreichischer Bundespräsident ist Heinz Fischer am Montag in Begleitung seiner Frau Margit Fischer und einer Wirtschaftsdelegation zu einem dreitägigen offiziellen Besuch nach Armenien aufgebrochen.

Heute, Dienstag, Nachmittag werden Fischer und seine Frau beim Denkmal der Opfer des Völkermords an den Armeniern einen Kranz niederlegen. Am Abend werden der Bundespräsident und seine Delegation am österreichisch-armenischen Wirtschaftsforum teilnehmen.

Von armenischer Seite wird beklagt, dass Österreich noch keine eigene Botschaft in Eriwan eröffnet hat, obwohl seit 20 Jahren politische Beziehungen bestehen. Auch die Anerkennung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord wird von Armenien gefordert.

Viele internationale Organisationen und Staaten haben die Massaker gemäß der UNO-Konvention von 1948 offiziell anerkannt und verurteilt, darunter das Europäische Parlament, der Weltkirchenrat, Argentinien, Belgien, Frankreich, Griechenland, Kanada, Russland, Niederlande, Polen und andere. Nicht zuletzt aus Rücksicht auf die Beziehungen zur Türkei verzichtete Wien darauf, im Nationalrat einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

Die Türkische Republik hat selbst lange Zeit keine größeren Anstrengungen zur Aufarbeitung der Tragödie unternommen, weil sie die Verantwortung dafür dem Osmanischen Reich zuschreibt und jede Kontinuität ablehnt. Die vehementen Reaktionen auf jeden Versuch, einen Völkermord im Osmanischen Reich anzuerkennen, stehen dazu allerdings in krassem Widerspruch.

Unumstritten ist - auch in der Türkei -, dass hunderttausende Armenier auf grausame Art ums Leben kamen, als sie während des Ersten Weltkrieges vom Osmanischen Reich aus ihren Siedlungsgebieten in Ost-und Südanatolien nach Syrien deportiert wurden. Während die offizielle türkische Geschichtsschreibung die Opferzahl auf 300.000 beziffert, sprechen armenische Historiker allerdings von 1,2 bis 1,5 Millionen Toten. Kernpunkt des Streites ist aber, ob die Osmanen es gezielt auf die Vernichtung des armenischen Volkes abgesehen hatten oder ob es sich um ungewollte Exzesse bei der Umsiedlung handelte, wie die Türken es sehen.