Tel Aviv. (aha/dpa/apa) Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu steht seit Dienstag ohne großen Koalitionspartner da. Die Kadima-Partei unter Shaul Mofaz hat nach nur zwei Monaten die Regierung des Likud-Chefs wieder verlassen. Netanyahu wird dadurch deutlich geschwächt - die Kadima verfügt über 28 Sitze im Parlament -, hat aber immer noch dank kleinerer Partner mit 66 von 120 Sitzen eine Mehrheit. Die für Herbst 2013 angesetzten Parlamentswahlen könnten nun vorgezogen werden.

Auslöser des Ausscheidens der Kadima aus der Koalition war der Streit um die Wehrpflicht für strengreligiöse Juden. Nachdem Israels Höchstgericht im Februar in einer historischen Entscheidung die Freistellung der Ultraorthodoxen aufgehoben hatte, konnten sich Netanyahu und Mofaz nicht auf die Details für einen neuen Gesetzesentwurf einigen.

Die Koalitionskrise kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Scheitern die Atomverhandlungen mit dem Iran, steht ein israelischer Angriff auf dessen Atomanlagen im Raum. Shlomo Brom, Experte für US-Israel Beziehungen am Institute for National Security Studies, hält einen solchen Angriff auf die Atomanlagen im Iran für wahrscheinlicher als zuletzt.