Sofia. Noch hat niemand die Verantwortung übernommen für das Sprengstoffattentat auf dem Flughafen des bulgarischen Schwarzmeer-Urlaubsorts Burgas, bei dem fünf israelische Touristen, ein bulgarischer Busfahrer und vermutlich ein Selbstmordattentäter ihr Leben verloren. Die bulgarischen Behörden verfolgen aber bereits eine ihrer Ansicht nach heiße Spur.

Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen schemenhaft eine langhaarige männliche Gestalt in karierten Boxershorts, einem blauen T-Shirt und mit einem Rucksack auf dem Rücken. Sollte sich der Anfangsverdacht der Ermittler bestätigen, handelt es sich ihm nicht um einen gewöhnlichen Rucksacktouristen, sondern einen Selbstmordattentäter. "Wir haben bei einer nicht zur Reisegruppe gehörenden Person einen gefälschten, angeblich im US-Bundesstaat Michigan ausgestellten Führerschein gefunden", gab Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissov bekannt.

Laut der Online-Zeitung "Inter-view.info" soll der Täter nicht - wie von Israel vermutet - der Hisbollah angehören. Vielmehr soll ein 33-jähriger Algerier für die Tat verantwortlich sein. Der Mann sei in Schweden aufgewachsen und habe einige Zeit im Lager Guantanamo verbracht, hieß es. Die Behörden in Bulgarien und Schweden dementierten dies jedoch.

Sicheres Reiseland

Schwere Kriminalität ist in Bulgarien präsent, öfter als anderswo geschehen hier öffentliche Auftragsmorde, meist fallen ihnen aber Geschäftsleute zum Opfer, deren Geschäfte als schmutzig gelten. Normalsterbliche Bulgaren und ausländische Gäste hatten bisher nichts zu befürchten, ein Urlaub am bulgarischen Schwarzen Meer galt als sicher. Selbst als im Herbst 1996 Ex-Ministerpräsident Andrej Lukanov einem Anschlag zum Opfer fiel, galt die Tat eher kriminell als politisch motiviert. Gewissheit darüber gibt es aber nicht, da sie wie die meisten Auftragsmorde nie aufgeklärt wurde.

Bulgariens Erfahrungen mit politischem Terrorismus liegen zweieinhalb Jahrzehnte zurück: Mitte der 1980er Jahre gab es Todesopfer bei Sprengstoffanschlägen, für die türkische Bulgaren verantwortlich gemacht wurden, die Widerstand gegen die von der KP durchgeführte Zwangsassimilierung der bulgarischen Türken leisteten.

"Wir haben vor einem Monat mit dem Mossad konferiert und damals gab es keine Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag", berichtet Staatspräsident Rossen Plevneliev. Allerdings kursierten in den Medien im Jänner Meldungen, israelische Geheimdienste hätten ihre bulgarischen Kollegen vor möglichen Anschlägen auf israelische Touristen in der Hauptstadt Sofia gewarnt. "Die Informationen über einen terroristischen Anschlag vom Jänner haben nichts mit dem zu tun, was jetzt passiert ist", wiegelte Innenminister Tsvetan Tsvetanov ab.