Neu Delhi. (red) Man müsste einen Weg finden, um die CO2-Emissionen der Benzin und Diesel Generatoren der vergangenen zwei Tage zu messen, regt sich ein Inder auf Twitter auf. Eine andere Betroffene beklagt, dass es trotz der Wiederherstellung von Strom immer wieder noch zu Wackelkontakten in Neu Delhi kommt.

Dabei hatte Neu Delhi bereits nach fünf Stunden wieder 80 Prozent der Energieleistung, andere Bezirke von Indien mussten zehn Stunden warten. Uttar Pradesh, eine ländliche Region mit mehr Einwohnern als Brasilien war bis zum Abend noch an der Notstromversorgung - und damit nur bei einem Drittel des normalen Energiebedarfs.

Die Stadt Jodhpur im östlichen Bundesstaat Rajasthan konnte sich bereits nach zwei Stunden aus dem Stromausfall zum Teil herauswinden - buchstäblich mit Windenergie, die binnen kürzester Zeit an das Netz angeschlossen wurde, um etwa Spitäler, Wasserpumpen und Gerichtsgebäude anzutreiben. Doch die Versorgung reicht nicht für alles: Gerade die Landwirtschaft leidet unter einem zu gering ausgefallenen Monsun. Ohne zusätzlicher Wasserversorgung kann nicht mit der Aussaat begonnen werden. Die lokalen Industrien haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Gerade in Jodhpur ist die Industrie stark exportorientiert - neben Textilien werden Guarkernmehl und Stahlblech hergestellt. "Wir sind sehr besorgt, weil die Produktion gerade Tag und Nacht laufen sollte, um die Nachfrage gerecht zu werden", erklärte jemand aus Jodhpur. Stattdessen stehen die Maschinen, wie auch in anderen Teilen von Indien still. Noch gibt es keine Schätzungen über die wirtschaftlichen Einbußen der Stromausfälle. Doch eins ist klar: "Das wird einen substanziell schlechten Einfluss auf die wirtschaftliche Gesamtsituation haben. Ein zweitägiger Stromausfall trübt die Stimmung (der Investoren, Anm.) ganz beträchtlich", erklärt N. Bhanumurthy, ein Ökonom am indischen "Institute of Public Finance and Policy".

Gekränkt ist auch der Stolz der Inder, die als Einwohner eines der größten Schwellenländer (und Heim der zweitgrößten Bevölkerung der Welt) international eine bedeutendere Rolle spielen wollten.

"Das ist auf jeden Fall peinlich. Energie ist ein Grundbedürfnis und solche Situationen dürfen nicht vorkommen", erklärt Unnayan Amitabh, 19, ein Praktikant bei der HSBC Bank in Neu Delhi, der verzweifelt versucht, eine Rikschah aufzuhalten, um nach Hause zu kommen - nachdem die U-Bahn nicht funktioniert. "Die Politiker reden von großen Reformen aber dann schaffen sie es nicht einmal, die Energieversorgung sicher zu stellen." Und das, obwohl zwischen 25 und 40 Prozent der indischen Bevölkerung ohnehin nicht einmal am Stromnetz angeschlossen sind.