Damaskus.

- © The credit "GRAPHIC NEWS" must appear with all uses of this graphic.
© The credit "GRAPHIC NEWS" must appear with all uses of this graphic.

(schmoe/ag) Washington will die syrischen Rebellen in Zukunft intensiver unterstützen als bisher. Präsident Barack Obama hat die CIA in einem Geheimerlass offenbar schon vor Monaten ermächtigt, in dem Bürgerkriegsland aktiv zu werden. Dabei geht es auch darum, die bewaffneten Rebellen zu beobachten - und zu kontrollieren. In Washington befürchtet man, dass radikale Islamisten in Syrien das Ruder übernehmen könnten. US-Agenten, so heißt es, kontrollieren längst auf türkischer Seite, welche Rebellengruppen Panzerfäuste, Gewehre oder Raketenwerfer aus dem Ausland bekommen.

Mittlerweile sollen sich radikale Islamisten in Aleppo richtiggehend festgesetzt haben. Der in Berlin lebende Politikwissenschaftler Siamend Hajo berichtete im Deutschlandfunk, im Stadtteil Salaheddin seien bis zu 60 Prozent der Kämpfer Al-Kaida-Anhänger. Diese wären - das habe ihm ein Freund telefonisch mitgeteilt - "schlimmer als die Regime-Leute" - und würden "menschliche Schutzschilde" einsetzen. Im Zentrum von Aleppo kämpfen auch Tschetschenen, Algerier, Schweden und Franzosen Seite an Seite mit den syrischen Rebellen. Die Söldner nennen sich "Brigade der Einheit der Mujaheddin". Auf islamistischen Webseiten werden Jihadisten aufgerufen, für den Sturz Assads zu kämpfen. "Der islamische Staat" kenne keine "künstlichen Grenzen", schreibt Abu Bakr al-Husseini, der "Emir des islamischen Staats Irak", einer Al-Kaida-Organisation. Auch ehemalige libysche Rebellen kämpfen in Aleppo - und das erfolgreich. Ein Sprecher der Rebellen meinte am Freitag, man kontrolliere "50 Prozent" der Stadtfläche. Die Freie Syrische Armee hat sich zuletzt in deren Osten festgesetzt und kann ihre Stellungen auch in der Nähe des Stadtzentrums halten. Der Armee ist es trotz überlegener Feuerkraft nicht gelungen, die Rebellen aus Salaheddin zu vertreiben.

Der Chef der UN-Mission in Syrien, Herve Ladsous, ist der Ansicht, dass die entscheidende Schlacht unmittelbar bevorsteht. Das bestätigt auch ein Sprecher der syrischen Regierung gegenüber dem TV-Sender Al-Jazeera. Man sei derzeit damit beschäftigt, die Stellungen des Feindes auszumachen. Danach werde man die oppositionellen Kämpfer in einer "umfassenden chirurgischen Operation ausradieren". Auch die Rebellen kämpfen scheinbar noch nicht mit allen Mitteln. Sie haben erbeutete Panzer und andere schwere Waffen noch nicht eingesetzt.

"Bevölkerung systematisch eingeschüchtert"

Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller in Syrien, wobei laut Amnesty International immer noch vor allem die syrische Armee für Hinrichtungen und Folterungen verantwortlich ist. Regimegegner, die öffentlich in Erscheinung treten, würden "einfach verschwinden", so Amnesty-Generaldirektor Heinz Patzelt zur "Wiener Zeitung". Das geschehe, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Sicherheitskräfte würden wahllos auf Demonstranten schießen. Die Angehörigen der Opfer würden dann gezwungen, eine Bestätigung zu unterschreiben, dass ihre Verwandten von "Terroristen" getötet worden wären. Es seien auch Fälle dokumentiert, in denen Ärzte, die sich um Rebellen gekümmert hätten, ermordet wurden.

Unterdessen liegt der UN-Vollversammlung in New York ein Resolutionsentwurf vor, in dem Assad aufgefordert wird, seine Armee aus den Städten zurückzubeordern. Der Text wurde von mehreren arabischen Ländern formuliert, er verurteilt den Einsatz von schweren Waffen wie Kampfhubschraubern, Panzern und Artillerie gegen die Bevölkerung.