Peking.

- © The credit "GRAPHIC NEWS" must appear with all uses of this graphic.
© The credit "GRAPHIC NEWS" must appear with all uses of this graphic.

Der Ton zwischen Peking und Tokio wird im Zuge des Konflikts um die Inselgruppe Senkaku zunehmend rauer. Neuer Höhepunkt des sich verschärfenden Klimas ist ein Angriff auf das Auto des japanischen Botschafters Uichiro Niwa in Peking.

Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo hätten zwei Autos am Montag den Wagen des Diplomaten zum Anhalten gezwungen. Aus einem der beiden fremden Autos sei ein Mann gestiegen, der auf die Kühlerhaube des Botschafterautos einschlug und die japanische Flagge abriss, wodurch auch das Fahrzeug beschädigt wurde. Daraufhin seien er und die anderen Angreifer geflohen. Der Botschafter selbst kam bei der Attacke nicht zu Schaden. Japan legte umgehend Protest ein und beschwerte sich offiziell beim chinesischen Ministerium für auswertige Angelegenheiten.

Nach Angaben von Associated Press entschuldigte sich das chinesische Außenministerium für den Vorfall und kündigte "ernsthafte Ermittlungen" an, um den Fall aufzuklären. Ein Sprecher fügte hinzu, die chinesische Regierung sei ihren Verpflichtungen zum Schutz der ausländischen Botschaften stets gewissenhaft nachgekommen.

Der Angriff geschah vor dem Hintergrund sich verschlechternder bilateraler Beziehungen durch den Streit um die territoriale Zugehörigkeit der Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer. Die Lage war vor zwei Wochen eskaliert, als rund 150 nationalistische Aktivisten und Abgeordnete der Gruppe Gambare Nippon (Vorwärts, Japan!) auf der Hauptinsel Uotsurijima an Land gingen, um dort die japanische Flagge zu hissen. Ihr Ziel war es, den territorialen Anspruch Japans auf die unbewohnte Inselgruppe, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu heißt, zu bekräftigen. Aus Protest gegen die Landung gingen in China tausende Menschen auf die Straße. Teilweise gewaltsame Demonstrationen wurden aus Peking, Shanghai, Chengdu, Qingdao, Guangzhou und anderen Städten gemeldet. In der südlichen Stadt Shenzhen protestierten rund eintausend Menschen gegen Japan. Sie schwenkten chinesische Fahnen, stürzten einen Polizeiwagen japanischer Herstellung um und beschädigten ein japanisches Restaurant.

Historische Wunden

China hatte Japan zuvor aufgefordert, "umgehend auf jede Aktion zu verzichten, welche die territoriale Integrität Chinas untergräbt". Beide Länder erheben Anspruch auf die Senkaku-Inseln. Tokio beruft sich auf das Jahr 1885, in dem Japan die Kontrolle der Inseln übernahm. Peking hält dagegen, die Diaoyu-Inseln hätten bereits während der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) zu China gehört und seien auf Landkarten und in einem Buch verzeichnet gewesen.

er Streit um die Inseln hatte sich zugespitzt, als zunächst 14 chinesische Aktivisten auf den Inseln landeten, um Chinas Anspruch auf die Gruppe zu unterstreichen. Sie wählten dafür den 15. August, den Jahrestag der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg. Die japanische Küstenwache nahm die Gruppe fest, sie wurde daraufhin des Landes verwiesen. Zusätzlich angeheizt wurde der Konflikt durch den Besuch des umstrittenen Yasukuni-Schreins in Tokio durch zwei japanische Minister am selben Tag. Der Schrein ist ein Denkmal für die 2,5 Millionen Japaner, die während des Krieges ums Leben gekommen sind. Allerdings werden dort auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Besuche von Mitgliedern der japanischen Regierung hatten in China und auf der koreanischen Halbinsel in der Vergangenheit immer wieder für Empörung gesorgt. Seit die Demokratische Partei 2009 die Wahlen gewann, hatte kein Minister den Schrein mehr besucht.

Im Zuge der Konflikte war spekuliert worden, ob beziehungsweise wann der japanische Botschafter Uichiro Niwa aus Peking abberufen werden würde. Er hatte bereits im Juni auf eine Zuspitzung der Situation hingewiesen. Während vier der fünf Senkaku-Inseln in Privatbesitz sind, gehört die fünfte der Hauptstadt Tokio. Deren Gouverneur Shintaro Ishihara hatte im April den Kauf weiterer Inseln der Gruppe angekündigt, wovor Niwa vehement und öffentlich warnte. Daraufhin wurde er sowohl von der Regierung als auch von der Opposition scharf kritisiert; es wurde ihm vorgeworfen, die Position seines Landes im Inselstreit nicht ausreichend zu vertreten.

Nach Angaben der Zeitung "Yomiuri Shimbun" sollte der Botschafter aber nicht vor den Feiern zum 40. Jahrestag der Normalisierung der japanisch-chinesischen Beziehungen Ende September ersetzt werden. Hintergrund der Streitigkeiten um die Inselgruppe ist deren strategische Bedeutung, ein reicher Fischbestand und möglicherweise Öl- und Gasvorkommen.