Tokio. Der chinesisch-japanische Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer spitzt sich gefährlich zu. Erstmals hat Peking seinem wichtigen Handelspartner mit wirtschaftlichen Sanktionen gedroht, falls Tokio nicht einlenkt. Auf Unterstützung kann Japan indes vonseiten der USA hoffen: US-Verteidigungsminister Leon Panetta warnte vor einem Abgleiten des Streits in einen Krieg - hielt jedoch die Beistandserklärung zwischen Japan und den USA aufrecht.

Wie der japanische Außenminister Koichiro Gemba mitteilte, stimmen Japan und die USA überein, dass der geltende bilaterale Sicherheitsvertrag auch die umstrittene Inselgruppe umfasst. Washington und Tokio haben sich unterdessen auf die Installation eines zweiten Raketenabwehrsystems in Japan verständigt.

Japanische Großkonzerne mussten indes offenbar wegen Streiks und Unruhe in der chinesischen Belegschaft einige ihrer Werke in China vorübergehend schließen. Das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas, "Renmin Ribao" (Volkszeitung), drohte ferner offen mit Wirtschaftssanktionen. Wichtige Bereiche wie Produktion, Finanzen, Exporte nach China, Importe "strategisch wichtiger Materialen" oder japanisch investierte Unternehmen in der Volksrepublik China könnten Zielscheibe der Strafmaßnahmen werden. Ein Handelskrieg werde beide Länder treffen. Aber China sei willens und in der Lage, die Konsequenzen zu tragen, die für Japan "katastrophaler" wären.

Die Spannungen bringen japanische Unternehmen in China bereits in Schwierigkeiten. Der Elektronikhersteller Canon schickte seine Arbeiter in drei Werken in Zhuhai, Zhongshan und Suzhou zunächst für zwei Tage nach Hause, während Panasonic ähnlich zwei Fabriken in Qingdao und Zhuhai schloss, wie Staatsmedien und Mitarbeiter berichteten. "Einige Arbeiter haben gestreikt, vor allem wegen der Diaoyu-Inseln", sagte eine Angestellte über den Unmut in der Belegschaft. Auch der Autokonzern Honda schloss seine fünf Werke in China für zwei Tage.

Neue Zwischenfälle befürchtet
  Neue Zwischenfälle werden mit einer Flotte Hunderter chinesischer Fischerboote befürchtet, die zum Beginn der neuen Fangsaison in das umstrittene Seegebiet aufgebrochen sind. Chinas Küstenwache will die Fischer beschützen, während auch japanische Küstenschiffe an den Fanggründen patrouillieren. In dem Seegebiet gibt es nicht nur reiche Fischbestände, sondern auch große Rohstoffvorkommen.