Gleich um die Ecke von Herrn Mhannas Laden ist ein Kontrollposten der syrischen Armee. Die Soldaten sind entspannt, heute sei hier alles ruhig. Eine ältere Frau bringt den Soldaten Süßigkeiten: Jaramana ist für die syrische Armee alles andere als Feindesland, wer hier seinen Posten versieht, darf sich glücklich schätzen. Denn in anderen Bezirken wie Darayya, At Tadamon oder Babbila tobt der Straßenkampf: Der Konflikt in Syrien hat seit März 2011 mindestens 20.000 Menschenleben gefordert. Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei wollen, dass Präsident Bashar al-Assad die Macht abgibt, während China und vor allem Russland jede Intervention von außen strikt ablehnen: Assad und die bewaffnete Opposition seien gleichermaßen für das Blutvergießen verantwortlich, tönt es aus Moskau und Peking.

Christen als Opfer?

Die Christen von Jaramana fühlen sich als Opfer in diesem Konflikt.

Das Griechisch-Katholische Kloster St. Germanos in Jaramana wirkt leer und verwaist. Christliche Pilger kommen derzeit nicht nach Syrien. Daher die Leere, sagt Pater Nicolas.

Pater Nicolas ist einer von drei Mönchen, die im Konvent leben und arbeiten. Er stammt ursprünglich aus dem Libanon und ist voller Sorge, dass Syrien den Weg des Libanon gehen könnte, wo von 1975 bis 1990 ein blutiger Bürgerkrieg mit 130.000 bis 250.000 Toten tobte.

Den Christen würde es in Zukunft schlecht ergehen, fürchtet Pater Nicolas. "Fragen sie, wie die Christen im Irak seit 2003 gelitten haben! Oder im Bürgerkrieg im Libanon! Der Westen muss die Augen und Ohren öffnen. Warum fragt niemand den Vatikan, was man machen soll?" Der Vatikan hat versucht, sich in Sachen Syrien-Konflikt Gehör zu verschaffen. Papst Benedikt XVI. reiste in den Libanon, wo er einen "Schrei nach Frieden" ausstoßen hat.

Viele Christen haben auch das Schreckensbild des Irak vor Augen: Nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein wurden Kirchen zur Zielscheibe, die ehemals lebendigen Gemeinden in Bagdad gibt es nicht mehr. Wer konnte, ist geflüchtet. Christen und Drusen konnten unter dem säkularen Regime der Assads weitgehend unbehelligt leben.

Für Pater Nicolas sind die Fronten daher klar abgesteckt. Die "Extremisten", wie Pater Nicolas die Rebellen nennt, wären eine Gefahr für die Christen. Aber nicht nur: Sie seien "Gegner der Bildung, Gegner der Vernunft". Darum seinen die "ersten Ziele" der Bewaffneten Schulen gewesen, sagt Pater Nicolas: "Sie haben 2000 Schulen zerstört, 1500 sind beschädigt und können keine Schüler beherbergen. Das Schulsystem Syriens sei nicht so schlecht gewesen, sagt der Pater, "nun haben uns die Jihadis um 50 Jahre zurückgeworfen".

Lektion Libanon

Der Pater stammt aus dem Libanon, als der Bürgerkrieg dort 1975 begonnen hat, war sei er genau ein Jahr alt: "Ich denke, dass Syrien eine Lektion aus dem Libanon lernen soll. Nach einem langen Krieg hatten wir dann endlich aufgehört und den Dialog gestartet. In Syrien ist es nicht zu spät: Wir müssen jetzt sofort beginnen, miteinander zu reden." Es gehe darum, die "Verbindungen zwischen den Konfessionen zu stärken", sagt er, "sie sahen zwar stark aus, aber sie waren es nicht. Daran müssen wir nun arbeiten."

Wie er die Zukunft sieht? Pater Nicolas zuckt mit den Achseln und schweigt. Nach einer längeren Pause sagt er: "Ich werde jedenfalls hier bleiben und wenn ich der letzte Christ in Damaskus bin."