In der malischen Hauptstadt Bamako versammeln sich am Freitag alle Beteiligten, um eine gemeinsame Strategie zu finden. Die EU beschloss, dass EU-Experten Malis Truppen trainieren sollen. Frankreich und die USA leisten auf verschiedenen Ebenen finanziell, militärisch und logistisch Hilfe - aber alle betonen, dass sie keine eigenen Truppen entsenden wollen. "Wir hoffen noch immer auf eine friedliche Lösung", so ein europäischer Diplomat. Niemand wisse, wie Paris reagieren werde, wenn es hart auf hart komme - ob dann nicht doch beispielsweise die Fremdenlegion eingreife. Frankreich war bis 1960 Kolonialmacht in Mali.

Noch sei es für eine Einigung in Mali - etwa mit einem weitgehend autonomen Norden - nicht zu spät, mahnt die AU. Obwohl Afrika einen Islamistenstaat fürchtet, lehnen viele eine Intervention ab. Skepsis gibt es in Mali selbst, aber auch beim Nachbarn Algerien, das vor einem Flächenbrand warnt. Der Politologe Abdelkader Abderrahmane vom Politikinstitut ISS in Addis Abeba meint, es drohen "dramatische Konsequenzen" für die ganze Region. Der Kampf gegen Terroristen in der unwegsamen Wüste werde für die ECOWAS-Truppen "zur Hölle".

Das Treffen in Bamako, ein für November angekündigte UNO-Bericht zu Mali sowie eine zweite Abstimmung im UNO-Sicherheitsrat sind wohl die letzten Hürden vor einer militärischen Intervention. Die Vorbereitungen dafür sind westlichen Diplomaten zufolge aber auch der Aufbau einer "Drohkulisse", um die keineswegs homogene Front im Norden Malis zu beeinflussen, vielleicht sogar zu spalten. "Es gibt auch im Norden moderate Kräfte." Auch in einer ISS-Studie heißt es, es gebe "eine gute Chance", zumindest die Tuareg zu überzeugen.

Denn die Lage der Menschen im Norden Malis hat sich drastisch verschlechtert. Schulen seien geschlossen worden, viele Menschen hungerten, berichtete Simonovic. Drogen- und Menschenhandel blühten. Seit dem Frühjahr sind über 300.000 Menschen aus dem Norden Malis geflohen. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach angesichts der anhaltenden Dürre im Sahel von einer "Multi-Krise".

(dpa)