Miami. "Simmering gegen Kapfenberg - das ist Brutalität", gab Helmut Qualtinger seinerzeit über den österreichischen Fußball zum Besten. Das Bonmot lässt sich ganz gut auf die Wahl in den USA umlegen, wo neuerdings die Fetzen fliegen, wenn es darum geht, Sitze im US-Repräsentantenhaus zu ergattern. Die Kosten, die die Kandidaten einfacher Wahlbezirke tragen, sind heuer explodiert - immer gnadenloser wird der Wahlkampf um das "House", wie es die Amerikaner salopp nennen.

Allen West ist so ein Beispiel. Sein Bezirk war von jeher der 22. in Florida. Dort trat der ehemalige Offizier der US-Army und Irak-Veteran erstmals im Jahr 2008 an - und verlor mit Bomben und Granaten. Fast zehn Prozent lag er am Ende hinter seinem demokratischen Rivalen. Doch davon ließ sich West nicht entmutigen. Zwei Jahre später stellte er sich dort erneut der Wahl. Inzwischen hatte er allerdings für Rückendeckung gesorgt und sich der radikalen Protestbewegung Tea Party angeschlossen. Dass West im Irak-Krieg unrühmlich aufgefallen war, störte dabei wenig: Er hatte einen Verdächtigen verprügeln lassen und ihm beim Verhör knapp neben den Kopf geschossen, weshalb er zu einer Geldstrafe verurteilt wurde und anschließend aus freien Stücken das Militär verließ. Mit Hilfe von Tea-Party-Ikone Sarah Palin, die ihn nach Kräften unterstützte, machte der Hardliner schließlich seine Niederlage von 2008 wett und gewann mit einem Vorsprung von knapp neun Prozent.

Diesen Erfolg würde er dieses Jahr gerne wiederholen, doch die Neuziehung der Grenzen des 22.Wahlbezirks von Florida kam ihm dabei ungelegen. Seit Anfang des Jahres sind zu diesem Bezirk demokratische geprägte Regionen hinzugekommen, was aus einer ausgeglichenen Wahl eine machte, die die Demokraten favorisierte. Dazu kristallisierte sich dort mit Patrick Murphy ein 29-jähriger feuriger demokratischer Gegenkandidat heraus, der dem 51-jährigen Allen das Leben schwer zu machen versprach. Allen, der offenbar ein Mann ist, für den nur der Sieg zählt, entschloss sich kurzerhand, den Bezirk zu wechseln und tritt nun im 18. Bezirk an, der wieder stärker republikanisch geprägt ist. Murphy wurde er so aber nicht los. Der beschloss nämlich, dem "Feigling" - wie er ihn nannte - nachzuziehen und tritt nun ebenfalls im 18. an.

15 Millionen Dollar gegen 3,3 Millionen für einen Sitz

Das Rennen zwischen den beiden hat sich mittlerweile zu einem der teuersten um das Repräsentantenhaus entwickelt, auch wenn der finanzielle Vorteil klar bei Allen liegt. 15 Millionen Dollar hat er gesammelt, um seinen Sitz zu behalten. Murphy nimmt sich dagegen mit 3,3 Millionen fast schon arm aus. Dennoch ist das Rennen äußerst knapp und mal der eine, mal der andere Kandidat in den Umfragen vorne. Inzwischen trudeln Gelder aus ganz Amerika für die beiden ein.

In welcher Größenordnung sich das Rennen um einen einfachen Bezirk der USA bewegt, kann man mit einem Vergleich zur letzten Parlamentswahl in Österreich veranschaulichen: Die Kosten aller Parteien zusammen haben sich offiziell auf 29Millionen Euro belaufen.

1,1 Milliarden von Kandidaten gesammelt

Während Österreich 8,4 Millionen Einwohner hat, sind es im 18.Wahlbezirk Floridas gerade einmal 640.000.

Für den Kampf um die 435 Sitze im US-Repräsentantenhaus sind dem "Center for Responsive Politics" zufolge inzwischen 1,1Milliarden Dollar an Wahlkampfgeldern geflossen. Dabei handelt es sich zudem lediglich um die von den Kandidaten aufgestellten Gelder. Hinzu kommen noch die Ausgaben der sogenannten Super PACs, Lobbyinggruppen, die unbegrenzt Geld für den Wahlkampf ausgeben dürfen. Nicht zuletzt dankt der Hilfe von außen konnten bei den letzten Wahlen die republikanischen Kandidaten die Mehrheit der Sitze im "House" einnehmen. Seit damals hat sich das Budget der Super PACs versiebenfacht.

Das besondere Augenmerk im Kampf um die zweite Kammer des US-Kongresses gilt dabei 50 Sitzen, die den Umfragen zufolge kippen könnten. 34 davon werden von Republikanern gehalten. Die Republikaner, die 242 Sitze gegenüber 193 demokratischen halten, sind zwar dennoch weiter Favoriten für die Mehrheit im Repräsentantenhaus, doch wie leicht eine sichere Führung verspielt ist, musste schon Präsident Barack Obama nach der ersten TV-Debatte feststellen. So wird es für die Kandidaten zum Repräsentantenhaus brutal bis zum Wahltag am 6. November bleiben.