Minneapolis. Jerry McAfee ist sauer. Der schwarze Baptisten-Prediger aus Minnesota findet, dass Präsident Barack Obama die afro-amerikanische Community vernachlässigt. Der Stein des Anstoßes liegt schon länger zurück - und zwar vergangenen Mai, als Obama öffentlich für gleichgeschlechtliche Ehen eintrat.

"Er hat Position bezogen, ohne sich vorher mit der afro-amerikanischen Basis abzusprechen."

Letzten Umfragen zufolge bezeichnen rund 15 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung sich selbst als Baptisten. Viele davon sind Afro-Amerikaner, die aus niedrigen Bildungsschichten stammen. Die Baptisten legen die Bibel wortwörtlich aus. Barack Obama hingegen ist Mitglied der "United Church of Christ", die deutlich liberalere Positionen einnimmt.

"Gerade wenn man in einer Minderheit ist, ist es wichtig, in der Öffentlichkeit geschlossen aufzutreten. Ein Jude hätte zuerst mit seiner jüdischen Gemeinde beraten. Wieso macht das Obama nicht? Er hat es damit an Respekt für jene Leute fehlen lassen, die ihn gewählt haben. Republikaner sagen es dir wenigstens, wenn sie dir in den Rücken fallen. Die Demokraten lächeln dich an und schweigen, wenn sie dir in den Rücken fallen."

Das bedeute nicht, dass Reverend McAfee, der in seinem Bundesstaat Minnesota hohes Ansehen genießt, nun den Republikaner Romney wähle. Aber es bedeutet, dass er keinen der Kandidaten wählen wird - und seinen Schäfchen empfehlen wird, es ebenso zu halten. "Die schwarze Baptisten-Kirche kontrolliert nicht nur jenen Teil, der zur Messe am Sonntag kommt, sondern das Wort der Prediger hat auch Einfluss bei jenen Familienmitgliedern, die man nie in der Kirche sieht." Nun gibt der Reverend eine Pressekonferenz nach der anderen. Minnesota gilt, obwohl der Staat in der Vergangenheit oft demokratisch gewählt hat, diesmal als Wackelkandidat. Viele Studien zeigten, dass Obama, sollte er 10 Prozent der Stimmen der Afro-Amerikaner verlieren, auch die Wahlen verlieren würde. "Die Stimme der Afro-Amerikaner für die Demokraten wird einfach als gegeben angenommen, während allen anderen Minderheiten der Hof gemacht wird, den Latinos wie den Homosexuellen. Dabei steht in der Bibel deutlich, dass es keine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen geben kann", erklärt McAfee wütend. Dem afro-amerikanische Kongressabgeordneten aus McAfee’s Bundesstaat Minnesota, Keith Ellison, kosten McAfees Gebärden nur ein müdes Lächeln. "Der Reverend soll sich nicht so aufspielen." Ellison, privat mit McAfee befreundet, ist der erste Moslem, der für die demokratische Partei im Parlament sitzt. Persönlich hält er auch nichts von der Homo-Ehe, aber: "Wenn man dagegen ist, gibt es eine einfache Lösung: Man muss ja nicht selbst gleichgeschlechtlich heiraten. Damit erledigt sich das."

Thema beim Wahl-Termin

Der Grund, warum die Homo-Ehe als Thema wieder hochkocht, ist der sich nähernde 6. November. In vielen Staaten wird am Tag der Wahl des US-Präsidenten nicht nur über das oberste Amt der USA abgestimmt, sondern auf den ausgehändigten Stimmzetteln wird auch über Posten im jeweiligen Bundesstaat, wie beispielsweise den Schatzkanzler, abgestimmt. Und in Minnesota, Washington, Maryland und Maine geht es auch um die gleichgeschlechtliche Ehe. Minnesota will sie in der Verfassung verbieten, die anderen Bundesstaaten wollen sie auf einfachgesetzlicher Ebene legalisieren und binden die Entscheidung an eine Volksabstimmung, die mit der Wahlkabine gleich in einem Aufwaschen mit dem Votum zum US-Präsidenten gekoppelt wird, berichtet der Anwalt und Aktivist für die Gleichstellung Homosexueller, John Sullivan.