Bamakao. In Bamako ist es fast so, als ob nichts gewesen wäre. In den Straßen und Gassen der knapp zwei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt herrscht reges Treiben, die Menschen gehen wieder ihren alltäglichen Beschäftigungen nach. Und auch auf den Märkten werden Fleisch, Gemüse und Lederwaren verkauft wie zu jenen Zeiten, als Mali als demokratischer Vorzeigestaat in Afrika galt. Lediglich an der Residenz von Übergangspräsident Dionkounda Traore zeugen noch Spuren davon, dass der Putsch, der das Land in einer Art Kettenreaktion ins Chaos gestürzt hat, erst sechs Monate her ist.

Ein paar hundert Kilometer weiter sieht die Lage allerdings gänzlich anders aus. Die Mitglieder der islamistischen Ansar Dine, die gemeinsam mit den Tuareg-Rebellen die Wirren des Umsturzes nutzen konnten, um den Norden des Landes unter ihre Kontrolle bringen, halten dort die Macht noch immer fest in den Händen. Mehr als 400.000 Menschen sind laut dem UNO-Flüchtlingshochkommissariat mittlerweile aus der Region geflohen.

Vertrieben wurden sie vor allem durch das steinzeitliche Schreckensregime, das die Ansar Dine in den vergangenen Monaten errichtet haben. Die Islamisten, denen enge Kontakte zu Al-Kaida nachgesagt werden, führten die Scharia ein, in Timbuktu, der wichtigsten Stadt der Region und einst mythisch verklärter Sehnsuchtsort, darf in den wenigen verbliebenen Bars seitdem keine weltliche Musik gespielt werden. Für Frauen gilt ein strenger Kleiderkodex, unverheiratete Paare dürfen weder gemeinsam über die Straßen gehen, noch in öffentlichen Verkehrsmitteln nebeneinandersitzen. Wer sich widersetzt, wird eingeschüchtert, bedroht oder geschlagen.

Auch von Hinrichtungen und Steinigungen ist die Rede. Der Zorn der Islamisten machte nicht einmal vor den jahrhundertealten und zum UN-Weltkulturerbe zählende Mausoleen und Friedhöfen in Timbuktu Halt. Heiligenverehrung gilt den neuen Machthabern im Norden Malis als unislamisch. Mit Schaufeln und Spitzhacken wurden die Heiligengräber der Djingareyber-Moschee und anderer bedeutender Stätten bereits kurz nach der Machtübernahme dem Erdboden gleichgemacht.

Knapp sechs Monate später zeigt sich nun zumindest aber ein Hoffnungsschimmer für die Bevölkerung im Norden, die dem archaischen Treiben der Ansar Dine zu einem Gutteil kritisch gegenübersteht. 3300 Soldaten will die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas nach Mali schicken, um der Herrschaft der Islamisten ein Ende zu setzen. Laut dem ivorischen Präsidenten Alassane Outtara, dessen Land sich an der Eingreiftruppe beteiligen will, könnte der am Sonntagabend beschlossen Plan umgesetzt werden, sobald ihn die UNO abgesegnet hat. Outtara, der derzeit den Ecowas-Vorsitz führt, hofft, dass bereits Ende November oder Anfang Dezember eine entsprechende Entscheidung fallen wird.