Bewaffnet mit hölzernen Gewehren, kriechen die Rekruten Zentimeter um Zentimeter durch das Feld. Eine Trillerpfeife ertönt, und sie ziehen Bolzen von imaginären Granaten. In dem Camp bereitet sich die nächste Generation Soldaten der "Kachin-Unabhängigkeitsarmee", einer der größten bewaffneten ethnischen Gruppen Burmas, auf den Ernstfall vor. Seit dem Ende etlicher Waffenstillstandsabkommen zwischen der burmesischen Militärjunta und mehr als einem Dutzend ethnischer Gruppen wächst die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts in Burma.

"Ich will niemanden töten. Doch als Soldat hat man die größten Chancen, die Bedingungen in Burma zu ändern", sagt La Ran. Der 23-Jährige ist der Kachin-Armee Anfang des Jahres beigetreten. "Ich bin bereit zu kämpfen, wenn ich muss", sagt er. Denn die Kachin wehren sich gegen Pläne der Zentralregierung, ihre Selbstverwaltung aufzuheben. Im Hinterland Burmas - Heimat zahlreicher verschiedener ethnischer Minderheiten - sieht sich das Militärregime unter Generalissimus Than Shwe einer erbitterten Opposition vonseiten der Wa, der Shan, der Karen und Kachin gegenüber. Die Karen und die Shan, die die Unterzeichnung von Waffenstillstandsabkommen verweigert haben, sind in heftige Kämpfe mit Regierungstruppen verwickelt. Sie haben die Kontrolle über weite Gebiete entlang der nördlichen und östlichen Grenzen Burmas und damit auch über den einträglichen Handel mit Edelhölzern, Edelsteinen, Gold und teilweise auch Drogen.

Machtfaktor China

Die überwiegend christlichen Kachin im nördlichsten Teil des südostasiatischen Landes kämpfen seit Jahrzehnten für Autonomie. Seit der Unterzeichnung des Waffenstillstands 1994 genossen sie eine De-facto-Selbstverwaltung. Im von Separatisten kontrollierten Gebiet betreibt die Kachin-Armee das Stromnetz und die Krankenhäuser. Soldaten in grünen Uniformen mit Abzeichen der Kachin überwachen die Grenze zu China und den von der Regierung kontrollierten Landesteilen. "Wir haben den Waffenstillstand schon seit mehr als zehn Jahren. Heute leben wir in einer freundlichen und friedlichen Gesellschaft, und ich möchte, dass das auch so bleibt. Doch die Regierung verletzt unsere Rechte und nimmt unser Land", klagte der Händler Zing Hang Khawn Hpang auf einer Versammlung in Laiza unweit der chinesischen Grenze.

Auch wenn sich die Anführer der Kachin nach wie vor um eine politische Lösung bemühen, die eine von der Regierung anerkannte Selbstverwaltung zum Ziel hat, wappnen sie sich für den Kriegsfall. Doch jede Art von Kampf im nördlichen Burma würde China provozieren, den wichtigsten Verbündeten der Junta. Heftige Kämpfe zwischen der ethnischen Minderheit der Kokang und Regierungstruppen letzten Sommer haben 30.000 Flüchtlinge nach China getrieben. Eine scharfe Beschwerde aus Peking war die Folge.

Die chinesische Regierung befindet sich in einer Zwickmühle zwischen ihrer Abneigung gegen Instabilität an der Grenze und dem Zugang zu Öl, Erdgas und Holz aus Burma. So lässt sich schwer einschätzen, inwieweit sich Peking in den Konflikt einbringen wird. Die Kachin hoffen jedenfalls darauf: "Wir wissen, dass die chinesische Führung Einfluss auf die (burmesische) Regierung hat. Wir wollen gerne, dass sie diesen Einfluss nutzt, um den Wandel in Burma herbeizuführen. Wir sind uns aber nicht sicher, ob sie dies tun wird", sagt Gun Maw.