Beirut. (da) Der multiethnische Libanon steht wieder einmal vor einer Zerreißprobe. Neben den traditionellen Bruchlinien zwischen Christen, Sunniten und Schiiten lastet der Konflikt in Syrien schwer auf dessen kleinem Nachbarstaat am Mittelmeer. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Najib Mikati steht das Land nun ohne Regierung da.

Als Grund für seine Demission gab der seit zwei Jahren amtierende Premier Auseinandersetzungen im Kabinett um ein neues Wahlgesetz und den Streit um eine Verlängerung der Amtszeit von Polizeichef Ashraf Rifi an. Die radikal-schiitische Hisbollah, welche die Regierung gestützt hatte, geht nunmehr hart mit Mikati ins Gericht: Dem Libanon stehe eine weitere Paralysierung bevor, kritisierte der Abgeordnete Mohammad Raad.

Wie vielschichtig die Probleme zwischen den libanesischen Parteien und Politikern sind, veranschaulicht die Personalie Rifi. Der Anfang April aus Altersgründen ausscheidende Polizeichef sollte auf Wunsch des Premiers noch bis Juni im Amt bleiben. Dagegen opponierte die Hisbollah. Denn der Mischung aus Partei, sozialer Bewegung und paramilitärischer Organisation war Rifi ein Dorn im Auge; gilt der Exekutivbeamte doch als Anhänger der oppositionellen Zukunftsbewegung des von den USA unterstützten Ex-Premiers Saad Hariri.

Hariri wiederum ist der Sohn des 2005 ermordeten Ministerpräsidenten Rafik Hariri; hinter dem damaligen Bombenanschlag wird Syrien vermutet. Jahrzehnte verstand sich der große Nachbar als Schutzmacht, im Zuge der "Zedernrevolution" nach der Ermordung von Rafik Hariri mussten die Truppen das Land verlassen.

Nicht an Syrien anstreifen

Zwischen erbitterten Gegnern des syrischen Assad-Regimes und treuen Gefährten ist der Libanon heute gespalten. 13 Personen starben in den vergangenen Tagen in der nordlibanesischen Stadt Tripoli bei Kämpfen zwischen Kritikern und Befürwortern Assads; erst nach drei Tagen brachte die Armee die Lage unter Kontrolle. Die Parteien im Libanon üben sich offiziell in Nichteinmischung in Syrien, um nicht Öl ins Feuer zu gießen - obwohl etwa die Hisbollah zu den engen Verbündeten Assads zählt. Teil der offiziellen Politik ist, die syrische Opposition beim heute, Dienstag, beginnenden Gipfel der Arabischen Liga nicht als Vertreter des Landes anzuerkennen.