Kairo. Er sitzt in der Mitte eines Zimmers im Schneidersitz auf einem Teppich am Boden: militärischer Tarnanzug, Kalaschnikow in der linken Hand. An der Wand um ihn herum hängen Flinten, Pistolen, Panzerhaubitzen und Maschinengewehre. Der Mann hat reichlich Auswahl. "Ein Jihadist in Syrien", besagt die Bildunterschrift der ägyptischen Tageszeitung "Al Ahram", "das Foto spricht für sich." Welcher Nationalität der Mann mit den Waffen angehört, ist nicht auszumachen. Die Konfiguration seines Gesichts lässt allerdings auf einen Nicht-Syrer schließen. "Foreign Fighters", so Ahram weiter, ausländische Kämpfer, "es werden immer mehr."

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Noch vor sechs Monaten waren damit vor allem sunnitische Jihadisten gemeint, die die Rebellen in Syrien im Kampf gegen das Assad-Regime verstärken wollten. Sie kamen aus Libyen, dem Libanon, Ägypten, Pakistan und vor allem dem Irak. Sie brachten Waffen und Know-how zum Bombenbauen mit.

Als Katar und Saudi-Arabien anfingen, den Widerstand in Syrien finanziell zu unterstützen, wurden die Schmuggelrouten für Waffen und Terroristen, die ursprünglich von Syrien in den Irak errichtet wurden, jetzt in umgekehrter Richtung genutzt. Offiziell wurde der tödliche Austausch mit dem Zusammenschluss von Al-Kaida im Irak und Al-Nusra in Syrien, der Anfang April bekanntgegeben wurde. Aber auch andere Organisationen, die im Irak mit dem Ziel der Errichtung eines islamischen Staates operierten, fanden sich schnell in Syrien wieder: Ansar al-Sunna, Ansar al-Islam, Tawhid wal Jihad, um nur einige zu nennen.

Jetzt allerdings mehren sich die Anzeichen, dass nicht nur die Gegner Bashar al-Assads Zulauf von ausländischen Kämpfern bekommen, sondern auch die Regierungstruppen. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verurteilte am Mittwoch die Intervention der schiitischen Hisbollah auf syrischem Territorium. Demnach haben Mitglieder der libanesischen Miliz in dem nur zehn Kilometer von der syrischen Grenze entfernten Ort Qusair direkt ins Kampfgeschehen eingegriffen und der syrischen Armee geholfen, die Rebellen von dort zu vertreiben. Qusair galt als strategischer Stützpunkt der Freien Syrischen Armee (FSA) für den Transport von Waffen, Kämpfern und medizinischer Versorgung aus dem Libanon nach Syrien.

Ausländische Schiitenmilizen unterstützen Assad

Einen Tag vor der UN-Deklaration wurde der Tod eines berüchtigten irakischen Milizenführers in Syrien gemeldet. Ismail Hafis al-Lamy soll während eines Gefechts zwischen Regierungstruppen und der FSA in der Nähe von Damaskus getötet worden sein. Al-Lamy hatte nach dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak eine radikale schiitische Miliz zusammen mit Moktada al-Sadr aufgebaut, der neben Angriffen auf die US-Armee auch zahlreiche Morde an sunnitischen Zivilisten sowie mehrere Entführungen von Ausländern zur Last gelegt werden. Aufgrund seiner Brutalität wurde al-Lamy auch "der Killer von Bagdad" genannt oder "der schiitische Sarkawi", in Anlehnung an den Begründer von Al-Kaida im Irak. Die Intervention der Hisbollah in Qusair und der Tod al-Lamys haben einen direkten Zusammenhang und zeigen, dass die Nachbarn Syriens immer mehr in den Bürgerkrieg verwickelt sind.