Washington/Moskau. Das Verwirrspiel um den flüchtigen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden nimmt kein Ende. Der Whistleblower sei bereits am Sonntag aus Hongkong kommend in Moskau gelandet hieß es am Dienstag aus Flughafenkreisen. Er habe für Montag einen Flug nach Havanna gebucht, das entsprechende Ticket jedoch nie in Anspruch genommen. Kurz zuvor hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärt, Snowden habe nie die russische Grenze überschritten.

Snowden sei gemeinsam mit der britischen Wikileaks-Anwältin Sarah Harrison gereist, so die Quelle am Flughafen. Auch Harrison habe ein Ticket nach Kuba besessen, es aber ebenfalls nicht in Anspruch genommen. Dass sich der 30-Jährige nicht an Bord des Flugzeugs von Moskau nach Kuba befunden hat, bestätigt auch ein Reporter des US-Senders CNN, der ebenfalls in der Maschine gesessen hatte.

Ursprünglich war vermutet worden, dass Snowden, der von den US-Behörden unter anderem wegen Geheimnisverrats gesucht wird, über Havanna nach Ecuador reisen wollte, wo er nach Angaben der dortigen Regierung Asyl beantragt hat.

US-Außenministerium: "Konsequenzen für China und Russland"
Die spektakulärere Flucht belastet das Verhältnis zwischen den beteiligten Großmächten: US-Außenminister John Kerry warnte China und Russland am Montag vor "Konsequenzen". Das Weiße Haus forderte Moskau zur Auslieferung des 30-Jährigen auf. Regierungssprecher Jay Carney sagte, man erwarte, dass Russland "alle vorhandenen Optionen betrachtet, um Snowden in die Vereinigten Staaten auszuweisen". Er übte zugleich scharfe Kritik an Peking und sprach von einem "schweren Rückschlag" für die Beziehungen.

US-Präsident Barack Obama sagte, die USA würden auf Hochtouren an einer Auslieferung Snowdens arbeiten. "Wir nutzen alle geeigneten rechtlichen Kanäle", sagte Obama am Montag vor Journalisten im Weißen Haus. Außerdem bemühten sich die USA gemeinsam mit verschiedenen anderen Ländern darum, dass die rechtsstaatlichen Regeln eingehalten würden. Obama äußerte sich zum ersten Mal zum Fall Snowden, seit dieser am Wochenende von Hongkong nach Moskau geflohen war.

Kerry hatte zuvor in Neu Delhi erklärt, es wäre "zutiefst beunruhigend", wenn die Länder von Snowdens Reiseplänen gewusst und die von Washington angestrebte Auslieferung durchkreuzt hätten.