Syriens Machthaber Assad ist sich seiner Sache offenbar weiter sicher. "Welcher Staat würde Chemiewaffen oder andere Massenvernichtungswaffen an einem Ort einsetzen, an dem seine eigenen Truppen konzentriert sind?", argumentiert er im Interview mit der russischen Zeitung "Iswestia". Und: "Was in Syrien passiert, ist keine Volksrevolution und keine Forderung nach Reform. Das ist Terrorismus." Die USA warnt er eindringlich vor einem Angriff auf Syrien. Die US-Angriffspläne "sind zum Scheitern verurteilt, so wie alle Kriege, die sie seit Vietnam begonnen haben", so der Diktator. Assad rechnet wohl damit, dass sich die internationale Gemeinschaft auch weiterhin nicht zu einem militärischen Eingreifen durchringen wird.

Angriff ohne Konsequenzen

In der Tat dürfte das syrische Regime offenbar bereits in der Vergangenheit mehrfach Giftgas eingesetzt haben - ohne dass es dafür eindeutige Beweise gäbe. Der arabische TV-Sender Al-Jazeera berichtete bereits im Dezember 2012, dass es in Homs einen Gasangriff mit sieben Toten gegeben habe. Danach soll es wiederholt zu derartigen Einsätzen gekommen sein - der größte unter ihnen im März in Kahn al-Asal, einer von Rebellen besetzten Stadt in der Provinz Aleppo. Die USA sollen die Angriffe registriert haben, konnten sich aber nicht zu einer militärischen Intervention entschließen. Das, so die Vermutung, könnte das syrische Regime am Mittwoch ermutigt haben, Chemiewaffen im großen Stil einzusetzen. Zumal die "Organisation für das Verbot chemischer Waffen", OPCW, die der UNO angeschlossen ist, in der Vergangenheit nicht bereit war, Proben, die die Verwendung von Giftgas belegen könnten, zu untersuchen.

Das deutsche Wochenmagazin "Spiegel" spekuliert, dass der Chemiewaffenangriff erfolgt sein könnte, um Assads Heimatprovinz Latakia vor Rebellenangriffen zu schützen. Die Oppositionellen haben in der Region, die als letzte Zuflucht für Assad gehandelt wird, einige Dörfer erobert. "Der Spiegel" zitiert einige Facebook-Einträge der syrischen bewaffneten Kräften, in denen von Angriffen auf "Terroristennestern" mit "schweren Waffen" die Rede ist. Wörtlich soll es dort heißen: "Zum Schutz der Zivilbevölkerung wurden dabei auch Chemiewaffen eingesetzt."

Fakt ist, dass die Untersuchung der UN-Inspektoren in Syrien schwierig wird. Ein Einsatz von Chemiewaffen sei laut dem Experten Feichtinger zum jetzigen Zeitpunkt noch nachweisbar. Wenn die Inspektoren freien Zugang erhalten und Proben entnehmen können, würde es wohl eine Woche dauern, "bis man hier stichhaltige, seriöse Ergebnisse hat", sagt Feichtinger. Es bleibt dann aber ein weiteres Dilemma. "Damit weiß man dann zwar über die Wirkung und den Wirkstoff Bescheid, aber nicht, wer der Verursacher war." Und auch wenn die Inspektoren hierzu Untersuchungen machen dürfen, bleiben diese laut Bundesheer-Brigadier Feichtinger schwierig. "Wenn der Angriff etwa mit einer Rakete oder einem Artilleriegeschoss erfolgte, wie will man nachvollziehen, von wo geschossen wurde und wer das Geschütz bedient hat?"