Ruck nach links

Der neue, durch de Blasio an den Tag gelegte Ton hat viele Väter und Mütter und eine lange Vorgeschichte. Letztere beginnt mit dem Zeitpunkt des Amtsantritts von Barack Obama und zieht sich bis zur bisher letzten, in letzter Sekunde abgewendeten Staatskrise vom vergangenen Herbst, als den USA wegen der Halsstarrigkeit der Ultra-Rechten im Kongress sogar der Zahlungsausfall drohte.

Spätestens diese Episode ließ viele bisher sich durchaus moderat gebende Demokraten zur Einsicht kommen, dass es angesichts der normativen Kraft des politisch Faktischen schlicht keinen Sinn mehr hat, mit den Republikanern den Dialog zu suchen. Jetzt, nachdem der Budget-Streit bis auf weiteres erledigt und die als "Obamacare" bekannte staatliche Gesundheitsversicherung trotz aller Anlaufprobleme Wirklichkeit geworden ist, hat diese Strömung die Erkenntnis gewonnen, dass jetzt endlich Schluss sein müsse mit der Suche nach Kompromissen mit Leuten, die sich jeglichen Argumenten verschließen.

Vor dem Auftritt de Blasios auf der nationalen Bühne galt allen voran Elizabeth Warren als Lichtgestalt dieser neuen Bewegung. Die Wahl der Senatorin aus Massachusetts, die in den Jahren zuvor - gegen enorme Widerstände aus der Wirtschaft - die Einrichtung einer nationalen Agentur für Konsumentenschutz vorangetrieben hatte, bildete das erste, weit über die Grenzen ihres Bundesstaats hinaus gehende Signal dafür, dass die Generation "Occupy Wall Street" den Marsch durch die Institutionen angetreten hat. Wie lange es dauern wird, bis diese neuen Linkspopulisten innerhalb der Demokraten eine Mehrheit finden, lässt sich freilich noch nicht sagen.

Nur der Zeitpunkt des ersten Lackmustests steht bereits jetzt fest: Sollte sich Hilary Clinton gegen eine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2016 entscheiden, könnte sich Elizabeth Warren im Rahmen von Vorwahlen fürs höchste Amt im Staat aufstellen lassen. Die Stimmen jener Wähler, die auch mithalfen, Bill de Blasio ins Bürgermeisteramt zu hieven, wären ihr jetzt schon gewiss. Ob die von Leuten wie ihnen repräsentierte Politik freilich für eine landesweite Mehrheit ausreichen würde, ist eine ganz andere Frage.