Jerusalem. (ag/red) Die Koalition hielt bis zum Schluss, nur drei ihrer Abgeordneten stimmten nicht zu: Mit der für israelische Verhältnisse kommoden Mehrheit von 65 der 120 Stimmen verabschiedete die Regierung aus Liberalen, Konservativen und Nationalreligiösen, dass auch ultraorthodoxe Juden künftig Militärdienst oder zivilen Ersatzdienst leisten müssen. Nach dem neuen Gesetz müssen die Ultraorthodoxen nun stufenweise eine Mindestanzahl junger Rekruten stellen; Ende 2017 soll das Gesetz dann voll in Kraft treten.

Die Wehrdienstreform war bestimmendes Thema bei der Knessetwahl 2013 und Steckenpferd der "Zukunftspartei". Sie wurde mit 14,33 Prozent aus dem Stand zweitstärkste Kraft und stellt mit Yair Lapid auch den Finanzminister. Dessen rechtsliberale Bewegung hat sich die gleichmäßigere Verteilung der gesellschaftlichen Lasten auf alle Bevölkerungsgruppen auf die Fahnen geheftet.

Im Klartext hieß das: Die Ultraorthodoxen sollen auch ihren Beitrag leisten. Die nunmehrige Reform soll daher die bessere Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen, weil an den Tora-Schulen keine weltlichen Bildungsinhalte unterrichtet werden. Die Mehrzahl der ultrareligiösen Männer hat daher kein Einkommen, was die Armut ihrer Großfamilien verstärkt - sie haben im Durchschnitt sieben Kinder. Der Gesetzentwurf ermöglicht ab Mitte 2017 auch Gefängnisstrafen für Totalverweigerer.

Änderungen gibt es auch für die restlichen Wehrpflichtigen; ihre Dienstzeiten werden um mehrere Monate gesenkt. Derzeit dienen in Israel Männer drei Jahre und Frauen zwei Jahre lang beim Militär.