Kigali/Paris. Eine Woche lang sind in Ruanda keine öffentlichen Veranstaltungen, Hochzeiten oder Feiern erlaubt. Denn am Montag begann eine einwöchige Trauerzeit, um der Opfer des Völkermordes vor 20 Jahren zu gedenken. Auslöser des Massakers war der bis heute ungeklärte Absturz des Flugzeugs des damaligen Präsidenten Juvenal Habyarimana, einem Angehörigen der Bevölkerungsmehrheit der Hutu, am 6. April 1994. Hutu-Milizen jagten daraufhin Tutsi und moderate Hutu, ermordeten innerhalb von 100 Tagen rund 800.000 Menschen. An den Gedenkfeiern zum Völkermord nahm am Montag auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon teil.

Ausgeladen wurde der französische Botschafter Michel Flesch. Denn Ruanda und Frankreich streiten sich wieder einmal über die Rolle von Paris bei dem Massaker. Ruandas Präsident Paul Kagame hatte in einem Interview mit der Zeitschrift "Jeune Afrique" seinen Vorwurf erneuert, Frankreich und Belgien hätten bei der "politischen Vorbereitung" der Massenmorde 1994 eine "direkte Rolle" gespielt. Französische Soldaten, die für einen humanitären Militäreinsatz in Ruanda stationiert waren, seien "Akteure" und "Komplizen" bei den Massakern gewesen. Vorwürfe, die Belgien zurückweist und die in Paris auf heftige Ablehnung stoßen. der französiche Ex-Premier Edouard Balladur sprach von "Lügen".

Klar ist, dass Frankreich das Hutu-Regime zumindest bis zum Völkermord 1994 politisch und militärisch unterstützt hat. Während des Massakers habe man aber als einziges Land einen internationalen Einsatz gefordert, heißt es immer wieder aus Paris. Allerdings hatte der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy 2010 bei einem Besuch in Ruanda eingeräumt, dass seinem Land damals "schwere Fehleinschätzungen" unterlaufen seien.