Der Iran muss wegen seiner Verstöße gegen die internationalen Regeln derzeit empfindliche Sanktionen hinnehmen. Die Regierung des Reformers Hassan Rohani in Teheran will nun das Sanktionenregime abschütteln und auch die USA haben seit der Präsidentschaft von Barack Obama ein gesteigertes Interesse, die Isolation des Landes zu beenden.

In Washington ist auch immer wieder die Rede von einem "Grand Bargain", in dem nicht nur die nuklearen Differenzen mit den USA, sondern auch andere wunde Punkte gelöst werden. Seit der US-Alliierte Schah Reza Pahlevi 1979 von der islamischen Revolution von Ayatollah Ruhollah Khomeini hinweggefegt wurde und vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981 52 US-Diplomaten 444 Tage lang von Khomeini-treuen iranischen Studenten als Geiseln gehalten wurden, sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern empfindlich gestört. Die USA haben im Gegenzug während des Irak-Iran-Krieges den irakischen Diktator Saddam Hussein im Krieg gegen den Iran unterstützt. In den Konflikt im Irak ist der Iran ebenfalls verwickelt und unterstützt - wie Washington - die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad.

Reset in den Beziehungen?

Eine Einigung im Atomstreit wird von Optimisten als Möglichkeit gesehen, die Reset-Taste in den Beziehungen zwischen dem Iran und dem Westen zu drücken.

Die Wirtschaft wittert bereits das große Geschäft: Auch österreichische Unternehmen können das Ende der Sanktionen gegen den Iran kaum erwarten, erst vor kurzem besuchte Außenminister Sebastian Kurz den Iran und für den Herbst in ein Staatsbesuch des österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer mit einer großen Wirtschaftsdelegation im Schlepptau geplant.

Für den Iran, der mit einer großen Delegation in Wien ist, geht es besonders um die Lockerung der westlichen Wirtschaftssanktionen. Allen voran das Öl- und Gasembargo der EU will Teheran so rasch als möglich suspendiert haben. Zudem will die iranische Seite über die Wiederaufnahme des Iran in das internationale Finanztransaktionssystem Swift und die Lockerung der Strafmaßnahmen gegen die sieben wichtigsten iranischen Banken, vor allem der Staatsbank Bank-e-Melli verhandeln. Der Iran will diese Sanktionen im Fall einer Einigung sofort vom Tisch haben - der Westen hat es weniger eilig und will auch über eine effiziente Kontrolle der Einhaltung der Verpflichtungen Teherans durch die in Wien ansässige Atomenergiebehörde (IAEA) reden. Eine weitere noch offene Frage ist, wie lange das Abkommen gelten soll, das strengere Maßstäbe am Iran als an den anderen Mitgliedern des Atomwaffensperrvertrags anlegt. Der Westen verlangt eine Frist von zehn bis 20 Jahren, der Iran will sich für maximal fünf Jahre diesen Regeln unterwerfen und dann wie jedes andere Land behandelt werden.

Am Freitag meldete sich auch das irankritische Bündnis "Stop the Bomb" zu Wort: "Das sich abzeichnende Abkommen würde keine Beendigung der Bedrohungen bedeuten, die vom iranischen Nuklearwaffenprogramm ausgehen, sondern ihre dauerhafte Institutionalisierung meint Stefan Schaden, Sprecher des Bündnisses zur "Wiener Zeitung". Demonstrationen gegen die Verhandlungen hatte "Stop the Bomb" am Freitag noch keine geplant.

Das österreichische Außenministerium erfreut sich an der Gastgeberrolle bei diesem Treffen, für das rund 60 Beamte abgestellt wurden, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren: Die Iran Gespräche finden, so betont man am Minoritenplatz, auf Angebot von Bundesminister Sebastian Kurz und dem anschließenden Ersuchen von Catherine Ashton in Wien statt. Es wird erwartet, dass Außenminister Kurz mit einigen der anreisenden Gäste zu Vieraugengesprächen zusammentreffen wird. Die Rolle Wiens als diplomatischer Standort sei durch diese hochrangigen Verhandlungen gestärkt, heißt es aus dem Kabinett von Minister Kurz.