Gaza/Tel Aviv. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat Flüge amerikanischer Fluggesellschaften nach Tel Aviv für 24 Stunden verboten. Sie begründete ihre Entscheidung mit den Raketenangriffen aus dem Gazastreifen. Große europäische Airlines zogen nach. Neben der AUA, Fly Niki und der Lufthansa-Gruppe schlossen sich unter anderen Air France, KLM und SAS der Sicherheitsmaßnahme an.

Zuvor war nahe des Flughafens Ben Gurion, dem wichtigsten Flughafen Israels, eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete eingeschlagen. Die deutschen Gesellschaften Lufthansa und Air Berlin setzten ab Dienstagabend alle für die nächsten 36 Stunden geplanten Flüge nach Tel Aviv aus. Aus Wien etwa gibt es am Mittwoch nur einen Flug von Wien nach Tel Aviv, durchgeführt von der israelischen Fluglinie El Al um 20.30 Uhr.

Die US-Regierung verteidigte das befristete Flugverbot zum Tel Aviver Flughafen gegen Kritik aus Israel. Die Maßnahme diene einzig dazu, amerikanische Bürger und Airlines zu schützen, sagte US-Außenminister John Kerry nach Angaben seines Ministeriums am Dienstag in einem Gespräch dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu.

Israel bietet Ausweichflughafen Ovda an
Nach der Streichung vieler internationaler Flüge nach Tel Aviv hat Israel einen Militärflughafen im Süden des Landes für die zivile Luftfahrt geöffnet. Der Flughafen Ovda in der Negev-Wüste nördlich von Eilat solle als Ausweichmöglichkeit für internationale Flüge zugänglich gemacht werden, bestätigte eine Sprecherin des israelischen Transportministeriums am Mittwoch.

Mehr als 600 Tote
Auch in der Nacht auf Mittwoch gingen die Gefechte in Gaza weiter. Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg auf 620 und die der Verletzten auf 3.752. Bis zu 200.000 Menschen sollen in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht vor Tod und Verwüstung sein.

Militante Palästinenser schossen am Dienstag mehr als 90 Raketen auf Israel ab, wie die israelische Armee mit. Auf israelischer Seite wurden 29 Soldaten und zwei Zivilisten getötet, mehr als 120 Soldaten wurden nach Medienberichten verletzt.

Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderten ein sofortiges Ende der Gewalt. Der US-Außenminister appellierte insbesondere an die radikalislamische Hamas, einer Feuerpause mit Israel zuzustimmen. Ägypten hatte eine Waffenruhe vorgeschlagen, die die Hamas jedoch ablehnt. Kernforderung der Hamas für eine Waffenruhe ist eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Sie ist in dem ägyptischen Vorschlag nicht enthalten.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas warf Israel vor, alle internationalen Gesetze zu brechen. "Wir sind voller Zorn, und wir werden niemals vergessen oder vergeben", sagte er bei einer Sondersitzung der palästinensischen Führung in Ramallah. Abbas hatte zuvor bei einem Treffen mit dem Führer der Hamas-Exilorganisation, Khaled Mashaal, in Katar Möglichkeiten für eine Feuerpause erörtert.

Deutsch-palästinensische Familie getötet
Unter den zivilen Opfern der israelischen  Offensive befand sich auch eine deutsch-palästinensische Familie. Es handelt es sich nach palästinensischen Angaben um den 53-jährigen Ibrahim al-Kilani, seine 47 Jahre alte Frau Taghrid und fünf Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren. Der Familienvater hatte in den 1990er-Jahren in Nordrhein-Westfalen und Hessen gelebt. Die Familie sei am Montagabend bei einem Luftangriff auf ein Gebäude in der Stadt Gaza getötet worden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte: "Wir müssen aufgrund mehrfacher Hinweise davon ausgehen, dass es sich bei den Toten um diese Familie handelt."

Im Fall eines israelischen Soldaten, der angeblich in der Hand der Hamas ist, soll Israel Deutschland um Hilfe gebeten haben. Nach Informationen des arabischen Senders Al-Arabija geht es dabei möglicherweise um Vermittlungsbemühungen. Der israelische Soldat, der an der Bodenoffensive beteiligt war, könnte tot oder lebendig in den Händen der militanten Palästinenser sein. Eine Bestätigung Israels dafür gab es zunächst nicht.