Gaza/Tel Aviv. Waffenruhe oder keine Waffenruhe: Diese Frage sorgte am Freitagabend für Verwirrung. Zuerst berichtete das Staatsfernsehen, dass Israel eine von US-Außenminister John Kerry vorgeschlagene Waffenruhe in der jetzigen Form ablehnt. Kurze Zeit später erklärte ein hochrangiger amerikanischer Beamter, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu dem US-Außenminister eine zwölfstündige Waffenruhe zugesichert habe. Beginn: Heute, Samstag, ab sechs Uhr MESZ. Eine offizielle Bestätigung stand am Freitagabend noch aus. So oder so ist es nicht das, was sich Kerry eigentlich vorgestellt hat. Sein Plan sah eine mehrtägige "humanitäre Feuerpause" vor, während der Israel und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas mit Unterstützung von Europäischer Union und USA indirekte Verhandlungen über eine längerfristige Lösung aufnehmen sollten.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg am Freitag auf mehr als 820. Militante Palästinenser feuerten erneut Raketen auf den Großraum Tel Aviv ab; in der Küstenstadt Ashkelon wurde ein Haus direkt getroffen. Im Norden des Gazastreifens wurde ein israelischer Soldat getötet. Seit Beginn der Operation gegen die Hamas am 8. Juli kamen nach Angaben der israelischen Armee 33 Soldaten ums Leben. Den vermissten Soldaten hat Israel inzwischen für tot erklärt. Die Hamas hatte behauptet, sie habe den Soldaten entführt. Dafür gibt es jedoch aus Israel nach wie vor keine Bestätigung.

Rechtsorientierte israelische Minister haben am Freitag sogar Verstärkung der Angriffe im Gazastreifen gefordert, während UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eine nicht an Bedingungen geknüpfte humanitäre Waffenruhe im Gazakonflikt forderte. Bei einem Besuch in Kairo erklärte er am Freitag: "Die Feuerpause sollte während des dreitägigen Festes des Fastenbrechens Eid al-Fitr gelten." Auf dieser Grundlage könnte über eine längerfristige Waffenruhe verhandelt werden.

Zuvor hatte Ban scharf den folgenreichsten israelischen Angriff am Donnerstag auf eine UN-Schule voller Flüchtlinge verurteilt. Laut palästinensischen Angaben starben mindestens 16 Menschen. Mehr als 200 Schutzsuchende seien in dem Gebäude in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen verletzt worden. In der Schule des UN-Flüchtlingshilfswerks hatten etwa 1200 Menschen Schutz gesucht. Unter den Opfern seien Kinder, Frauen und UN-Mitarbeiter, sagte Ban in New York. Israels Armee spricht inzwischen von einem "Fehlschuss" auf die UN-Schule, entweder durch die eigenen Streitkräfte oder die Hamas.

Obwohl Palästinenser weiterhin Raketen Richtung Großraum Tel Aviv und Flughafen Ben Gurion schießen, hat die US-Luftfahrtbehörde FAA ihr Flugverbot am Donnerstag wieder aufgehoben. Auch der britische Billigflieger Easyjet sowie die italienische Alitalia kündigten die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach Israel an. Die Lufthansa sowie ihre Tochter AUA und Air Berlin strichen dagegen weitere Israel-Flüge am Freitag.