Es ist eine kleine und zierliche Frau, die den geballten Zorn der Volksrepublik China auf sich zieht. Rebiya Kadeer führt den "Weltkongress der Uiguren" an und kämpft unermüdlich für die Rechte der moslemischen Minderheit im Nordwesten Chinas.


Die 61-Jährige musste dafür einen hohen Preis bezahlen. Mehr als fünf Jahre verbrachte sie im Gefängnis, in ihrem Buch "Die Himmelsstürmerin" berichtet sie von Folter. Als sie Anfang 2005 nach internationalem Druck vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, begab sie sich ins Exil. Doch fünf Kinder der elffachen Mutter leben weiterhin in China, und zwei Söhne sind in Haft. Erst kürzlich hat ein inhaftierter Sohn Kadeers seine Mutter öffentlich kritisiert. Kaum jemand glaubt, dass er dies freiwillig tat.

"Es geht aber nicht nur um meine Familie", sagt Kadeer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich repräsentiere die Stimme all jener Uiguren, die unter der chinesischen Herrschaft leiden und keine Möglichkeit haben, dies kundzutun."

Die Uiguren in Xinjiang sehen sich an den Rand gedrängt. Die religiösen Freiheiten der moslemischen Minderheit sind stark eingeschränkt. Zudem kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer massiven Ansiedelung von Han-Chinesen, sodass diese schon etwa 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Peking argumentiert, dass man Xinjiang wirtschaftliche Entwicklung bringe. Davon profitieren aber nur die Han-Chinesen, kontern die Uiguren-Vertreter.

Schwere Unruhen

Immer wieder kommt es in der Region zu Protesten, aber auch zu Anschlägen von Uiguren. Im Juli ereigneten sich schließlich in Xinjiang die schlimmsten Unruhen, die China seit Jahren erlebt hat. Zunächst wurde eine Demonstration von Uiguren von den Sicherheitskräften niedergeschlagen. Im Anschluss kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Han-Chinesen und Uiguren, bei denen nach offiziellen Angaben fast 200 Menschen getötet wurden.

Chinas Führung beschuldigte Kadeer, die Unruhen angezettelt zu haben. Die Anschuldigungen seien absurd, kontert diese. Schließlich sei es ihr ja nicht einmal möglich, mit ihrer Familie in China Kontakt aufzunehmen.

Der Grund für die Proteste sei vielmehr gewesen, dass die Uiguren genug von der chinesischen Herrschaft hätten. "Die Uiguren haben in den vergangenen 60 Jahren keine Freiheit, keine Demokratie und keine Menschenrechte erlebt. Sie können kein normales, friedliches Leben führen", sagt Kadeer, die sich auf Einladung des Ludwig Boltzmann-Instituts im Rahmen des Menschenrechts-Filmfestivals "this human world" in Wien befindet.

Kadeer beklagt zudem, dass ihre Volksgruppe nach den Unruhen verstärkten Repressionen ausgesetzt sei. Uiguren seien verschwunden und ihren Familien sei klargemacht worden, dass sie sich ja nicht nach ihren Angehörigen erkundigen sollen.

Chinas Führung hat mehrfach betont, dass sie nun in Xinjiang hart durchgreift. Es wurden schon einige Todesurteile ausgesprochen, großteils gegen Uiguren. Doch auch zwei Han-Chinesen wurden wegen ihrer Beteiligung an den Unruhen zum Tode verurteilt. Laut Kadeer dient dieses Urteil aber nur dazu, den Schein einer unabhängigen Justiz zu wahren.

Kadeer fordert jedenfalls Selbstbestimmungsrechte für ihr Volk. Und sie will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es mit Peking doch noch zu Verhandlungen kommt. Nicht durch Repression, sondern nur durch einen friedlichen Dialog könnte eine Lösung für Xinjiang gefunden werden, betont Kadeer.