Nicht viel besser erging es Twitter, Facebook, YouTube oder Instagram, und ausländische Unternehmen beklagen mittlerweile offen, dass die Zensur und die daraus resultierende Langsamkeit des chinesischen Netzes ihre Geschäfte beeinträchtigen. Das hat zur Folge, dass sich Chinas Internetnutzer konträr zur restlichen Welt in einem virtuellen Parallel-Universum bewegen, das von Firmen wie dem Suchmaschinen-Anbieter Baidu, den Microblog-Diensten Sina und Tencent oder eben dem E-Kommerz-Riesen Alibaba dominiert wird. Deren Dienstleistungen gleichen denen der ausländischen Mitbewerber zwar teilweise bis ins Detail, doch sie beugen sich den Vorgaben der staatlichen Zensur und sichern sich so ihre Geschäftslizenz.

Die "Welt-Internetkonferenz" war daher auch eher ein Signal, dass Peking nicht länger im Abseits stehen möchte, wenn es um die globale Verwaltung und Organisation des Internets geht, sondern sein eigenes Konzept eines sicheren und geordneten Netzes durchsetzen will. Chefregulator Lu trat daher auch mit entsprechendem Selbstbewusstsein auf, als er sagte: "China hat bereits jetzt 630 Millionen Internetnutzer und stellt vier der Top-Ten-IT-Unternehmen." Es sollen noch mehr werden, denn der Trend zu Eigenentwicklungen wird durch das Misstrauen gegenüber den USA beschleunigt: Die Enthüllungen über die Tätigkeit des US-Geheimdienstes NSA und gegenseitige Hacking-Vorwürfe haben China dazu veranlasst, die Entwicklung eigener Betriebssysteme voranzutreiben, um Apple, Microsoft und anderen Paroli zu bieten. Es wirkte daher wie ein Schuss vor den Bug, als die Behörden dem letzten iPhone-Modell zunächst die Lizenz verweigerten und der Staatssender CCTV gar den US-Konzern Apple wegen gespeicherter Standortdaten als "Sicherheitsrisiko" anprangerte.

Eigene Regeln

Ministerpräsident Li Keqiang betonte am Rande der Konferenz, China müsse seine eigenen Regeln im Cyberspace setzen. Demnach müssten nationale "Informationsgrenzen" wie Landesgrenzen respektiert werden. Doch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, dass China darüber hinaus seine Ideen der Kontrolle mittlerweile als Modell für die globale Regulierung des Internets sehe und mehr chinesische Mitsprache durchsetzen wolle, was als Angriff auf die Internet-Freiheit interpretiert wird.

Zumindest Chefregulator Lu Wei scheint der weiten Welt außerhalb seines Landes keine Beachtung zu schenken. Angesprochen auf die Sperre von Diensten wie Facebook und Twitter antwortete er treuherzig: "Ich persönlich habe solche Seiten nie besucht, daher kann ich Ihnen auch nicht sagen, ob sie hier geblockt werden oder nicht."