Straßburg/Kinshasa. Der Frauenarzt Denis Mukwege wird mit dem diesjährigen Sacharow-Menschenrechtspreis des Europaparlaments ausgezeichnet. Der 59-jährige Gynäkologe aus der Demokratischen Republik Kongo operiert seit Jahren weibliche Opfer von Gruppenvergewaltigungen, deren Geschlechtsorgane oft völlig verstümmelt wurden.

In einem Interview mit einer Nachrichtenagentur äußerte Mukwege die Hoffnung auf Rückendeckung der EU in seinem Kampf dafür, dass Vergewaltigungen international als "Kriegswaffe" gebrandmarkt werden. Massenvergewaltigungen müssten als "Massenvernichtungswaffe" begriffen werden, zumal sie "preiswerter, erreichbarer und somit schwer zu kontrollieren" seien, sagte Mukwege.

Wegen seiner Arbeit werde er immer wieder bedroht und angegriffen. Als 2012 sein Wachmann vor den Augen seiner Kinder getötet wurde, sei das ein "Trauma für die ganze Familie" gewesen. Er habe sich daraufhin entschieden, sein Land zu verlassen und nach Europa zu gehen. Aber der Mut der bitterarmen kongolesischen Frauen, die für seine Rückkehr sogar eine Spendensammlung starteten, hätten ihn dazu bewogen, trotz Morddrohungen in seiner Heimat weiterzumachen.

Seine Arbeit am Panzi-Krankenhaus in Bukavu sei bereits ausgeweitet worden. Es gebe zwei neue Zentren, eines 30 Kilometer südwestlich und eines 90 Kilometer nördlich von Bukavu. Derzeit werde geprüft, ob in Ouagadougou in Burkina Faso ein weiteres Zentrum eingerichtet werden könne. Auch aus Afghanistan gebe es entsprechende Anfragen, fügte der weltweit anerkannte Spezialist für die Wiederherstellung weiblicher Geschlechtsorgane hinzu.