Steht dieser Verfall der Pressefreiheit in Zusammenhang mit dem Aufschwung der extremen Rechten?

Das ist eine delikate Angelegenheit, denn dieser Zusammenhang lässt sich nicht nachweisen. Ich würde da eher von Populismus sprechen. Die Methoden der Populisten - ob das jetzt Orban in Ungarn ist oder Beppe Grillo in Italien - lassen an Praktiken denken, die absolut nicht demokratisch sind. Zum Beispiel ist in Frankreich das renommierte investigative Medium "Mediapart" vom Parteitag der Front National ausgeschlossen worden. Motto: "Wenn ihr nicht in unserem Sinne schreibt, werdet ihr von der Information abgeschnitten." Bei Beppe Grillo wiederum hat es innerhalb seiner Fünf-Sterne-Bewegung eine Kontrolle über das, was nach außen dringt, die jenseits der Vorstellungskraft, aber auf jeden Fall jenseits demokratischer Grundwerte liegt.

Was klar belegbar ist, ist der Einfluss der Wirtschaftskrise. In Griechenland zum Beispiel haben seit der Wirtschaftskrise die Slogans stark zugenommen, in denen die Medien pauschal als verrottet bezeichnet werden. Die Journalisten sind im Prekariat gelandet: Sie verlieren ihre Freiheit, weil sie einen verschlechterten sozialen Status haben.

Wie ist es um die Pressefreiheit in der Arabischen Welt bestellt?

Um ehrlich zu sein: katastrophal. Da ist es zu einem richtigen Absturz gekommen. Es hat einen Hoffnungsschimmer mit dem Arabischen Frühling gegeben. Und auch wenn es in Tunesien so scheint, als werde der demokratische Weg beschritten, so gibt es doch zahlreiche Gegenbeispiele wie Libyen oder die eiserne Hand von Präsident al-Sisi in Ägypten. Bei Syrien weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Und dann gibt es Länder wie Saudi-Arabien. Dort ist gerade der Blogger Raef Badawi verurteilt worden. Der hat zu seinem Leidwesen auf seiner Internetseite geschrieben, dass Christen, Moslems und Atheisten gleich sind. Dafür ist er zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden.

Zur Person

Antoine Héry

Der Franzose ist Leiter des Europabüros von "Reporter ohne Grenzen" in Paris.