Der Fall reicht zurück ins Jahr 2008. Da startete der saudische Blogger Raif Badawi das Online-Forum "Freie Saudische Liberale". Ein Ort, wo über Politik und Religion diskutiert werden konnte. Einiges erregte dabei das Missfallen der Religionspolizei – beispielsweise, dass Badawi sie der Verletzung von Menschenrechten zieh. Der Blogger wurde wiederholt festgenommen, seine Konten wurden eingefroren und er selbst wurde mit einem Reiseverbot belegt. Doch das alles hielt Badawi nicht auf. Er ließ das Forum weiter laufen, auch wenn mit Unterbrechungen. Schließlich riss den Behörden die Geduld. 2011 wurde Badawi angeklagt, weil er islamische Autoritäten in seinen Beiträgen beleidigt und religiöse Werte angegriffen haben soll.

2011 wurde Badawi (im Bild mit seiner Tochter) angeklagt, weil er islamische Autoritäten in seinen Beiträgen beleidigt und religiöse Werte angegriffen haben soll. Seit 2012 sitzt er im Gefängnis. - © Ensaf Haidar
2011 wurde Badawi (im Bild mit seiner Tochter) angeklagt, weil er islamische Autoritäten in seinen Beiträgen beleidigt und religiöse Werte angegriffen haben soll. Seit 2012 sitzt er im Gefängnis. - © Ensaf Haidar

Er habe Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet, was nicht unbestraft bleiben dürfe, hieß es in einem Rechtsgutachten, das Badawi zu einem "Kuffar", einen Ungläubigen, erklärte. Darauf steht in Saudi-Arabien der Tod. Dem Henker konnte er immerhin dadurch entgehen, dass er im Gerichtssaal drei Mal das islamische Glaubensbekenntnis aufsagte.

Peitschenhiebe und sechsstellige Geldbuße

Doch straffrei sollte er nicht entkommen. Das Gericht in verurteilte ihn 2013 zu 600 Peitschenhieben und sieben Jahren Haft. Badawi, der auf seinen Grundsätzen beharrte und nicht der Ansicht war, Unrechtes getan zu haben, berief. Tatsächlich revidierte die Justiz das Urteil, allerdings nicht ganz so, wie Badawi sich das vorgestellt hatte: Statt der 600 Peitschenhiebe soll er nun 1000 erhalten und nicht für sieben, sondern für zehn Jahre ins Gefängnis. Außerdem wurde er zu einem Bußgeld von umgerechnet 194.000 Euro verdonnert.

"Ich bin absolut schockiert und am Boden zerstört", sagte seine Frau nach dem Urteil. Sie war bereits 2012 mit ihren drei Kindern nach Beirut geflüchtet. Etwas Hoffnung könnte sie aus dem Fall des saudischen Journalisten Hamza Kashgari schöpfen. Wegen Beleidigung des Propheten Mohammed sollte ihm der Prozess gemacht werden. Er floh nach Malaysia, wurde ausgeliefert, verhaftet, aber letzten Oktober nach eineinhalb Jahren freigelassen, weil er sich öffentlich entschuldigte.