In welcher Region oder bei welchen Themen könnte Österreich besonders Akzente setzen?

Das müssen freilich die österreichischen Politiker entscheiden. Das Land ist ja schon am Balkan oder in Moldawien sehr aktiv, wo es noch nicht so viele Akteure gibt, weshalb Österreichs Präsenz sehr gut ist. Es ist immer besser, sich auf einzelne Regionen zu konzentrieren, anstatt überall sein zu wollen. Das können nur die USA.

Dadurch, dass Österreich immer mehr den privaten Sektor in der Entwicklungszusammenarbeit miteinbezieht, folgt es einem internationalen Trend, der durchaus kritisiert wird - dass es immer mehr ums Geschäft und weniger um Armutsbekämpfung gehen würde.

Aber gerade Business ist entscheidend für die Armutsbekämpfung - nehmen sie Länder wie China, Brasilien oder Südkorea. Private Investitionen haben dort für mehr Industrie und mehr Wohlstand gesorgt. Aber gleichzeitig braucht man weitere Entwicklungsinitiativen. Die Wirtschaft kann nicht ohne Bildung oder ein Gesundheitssystem funktionieren. Die Industrie kann nicht bestehen, wenn ihre Arbeiter an Aids sterben.

Hat sich die globale Armutssituation in den vergangenen Jahren verändert?

Die Entwicklung geht viel besser voran, als die Leute denken. Die globale Armut hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten halbiert. Anderes Beispiel: Vor zehn Jahren sind noch doppelt so viele Menschen an Malaria erkrankt. Im Durchschnitt leben die Menschen immer länger und gesünder. Aber das ist kein Trost für die Frau, etwa im Südsudan, deren Kind gestern gestorben ist.

Sie betonen auch immer wieder, dass eine faire Besteuerung wichtig für internationale Entwicklung ist. Ist das generell ein neuer Trend in der Armutsbekämpfung?

Ja. Der Großteil des Bildungswesens wird in ärmeren Ländern von Steuerzahlern bezahlt und nicht durch Entwicklungsgelder. Also muss man die Institutionen und Gesetze in diesen Ländern verbessern. Die OECD berät hier schon ärmere Staaten. Gleichzeitig brauchen wir aber globale Kooperationen, um zu verhindern, dass große Konzerne ihre Profite dorthin verschieben, wo sie keine Steuern zahlen müssen. Wenn man sieht, wie Konzerne wie Google, Microsoft oder Starbucks Steuerzahlungen in Großbritannien vermieden haben, dann ist jedem klar, dass sie in Staaten wie Ghana oder der Elfenbeinküste überhaupt keine Steuern zahlen. Generell verlässt mehr Geld Afrika, als durch Entwicklungsgelder wieder hineinkommt. Das muss beendet werden.