Befindet er sich im Gefängnis in Jeddah derzeit in einer Einzelzelle?

Nein, er ist mit einigen anderen Häftlingen untergebracht.

Wird er von Zellengenossen traktiert?

Er versteht sich gut mit den anderen, denn er ist ein sehr liebenswürdiger und positiver Mensch.

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz hat Sie kürzlich angerufen. Gab es auch noch andere Politiker, die Sie kontaktierten?

Ja. Minister Kurz hat mich kontaktiert und mir versprochen, dass er den Fall beim Genfer Menschenrechtsrat anspricht. Er hat mir zugesagt, dass er sich um die Freilassung von Raif bemühen wird. Andere europäische Minister haben mich nicht kontaktiert. Aber es gibt viele kanadische Politiker, die mich unterstützen. Außerdem rufen mich viele Journalisten an, darunter auch aus Deutschland und Kanada.

Sie sprechen die Medien an. Über den Fall Badawi wird - nicht zuletzt durch Ihr Engagement - weltweit sehr ausgiebig berichtet. Fürchten Sie nicht, dass diese massive Berichterstattung Saudi-Arabien erzürnen und Ihrem Mann schaden könnte?

Diese Angst habe ich nicht. Es ist perfekt, dass die Medien über den Fall berichten und die Öffentlichkeit weiß, was mit ihm geschieht. Ich hoffe, dass die Berichterstattung fortgesetzt wird, bis er endlich freigesprochen wird und zu seinen drei Kindern und mir nach Kanada reisen darf.

Sind Sie auch mit den saudischen Behörden in Kontakt?

Nein, die sprechen nicht mit mir.

Was erhoffen Sie sich von der internationalen Aufmerksamkeit?

Ich warte auf gute Nachrichten, auf positive Neuigkeiten. Ich hoffe, dass die Freilassung meines Mannes durch internationalen Druck gelingt. Die Staatengemeinschaft muss bei König Salman intervenieren. Weitere 50 Stockhiebe (die ihm drohen, Anm.) wären eine Katastrophe.

Sicherlich haben Sie die Debatte um das umstrittene König-Abdullah-Zentrum in Österreich, KAICIID, mitbekommen. Was halten Sie davon?

Die vom Abdullah-Zentrum sind verrückt. Ich habe kein Verständnis dafür, dass sie sich weigern, den Fall und die Menschenrechtssituation in Riad zu kritisieren. Das Zentrum muss geschlossen werden, denn es ist ein Handlanger Saudi-Arabiens.