Tikrit. Euphorische Siegesmeldungen im irakischen Staatsfernsehen hatte es auch schon im vergangenen Sommer gegeben. Doch die Berichte über die Einnahme von Tikrit entpuppten sich nur wenig später als Propaganda im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS), der sich in der Stadt nachhaltig festgesetzt hatte.

Knapp acht Monate später gibt es nun wieder Siegesmeldungen, doch diesmal dürfte die vor zehn Tagen gestartete Großoffensive tatsächlich entscheidende Gebietsgewinne für die irakische Armee und die mit ihr verbündeten schiitischen Milizen gebracht haben. Unter anderem soll dabei Kadissija, das größte Stadtviertel von Tikrit, teilweise zurückerobert worden sein.

"Wir nehmen alle 30 Minuten eine neue Straße ein", sagte ein Vertreter der irakischen Armee. Laut Militärangaben wurde vor allem nahe den Präsidentenpalästen heftig gekämpft, die der sunnitischen IS-Miliz als Hauptquartier dienten. Aber auch um das Krankenhaus und um die Polizeizentrale tobten Gefechte. Heckenschützen und Sprengfallen behinderten allerdings immer wieder das Vorankommen der Regierungstruppen.

Am Dienstag hatten die 20.000 Soldaten und die schiitische Haschid-Schaabi-Miliz, die vom Iran unterstützt wird, die Stadt Al-Alam eingenommen, die letzte Bastion vor Tikrit. Gelänge die Befreiung von Saddam Husseins Heimatstadt, brächte das der von Schiiten geführten Regierung in Bagdad enormen Schwung für den weiteren Kampf gegen die IS-Extremisten, die nach wie vor große Teile des Irak und Syriens beherrschen. Denn die Kontrolle über Tikrit ist Voraussetzung für einen Vorstoß auf Mossul, die größte Stadt unter Kontrolle des Islamischen Staats.

Während der IS im Irak offenbar empfindlich getroffen wurde, begann er im Nachbarland Syrien eine Gegenoffensive gegen die Kurden-Kämpfer im Nordosten. Die IS-Kämpfer hätten am Dienstag mit Panzern und schweren Waffen die kurdischen Kräfte rings um Ras al-Ayn an der Grenze zur Türkei angegriffen, teilte die Syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte mit. Auch ein Vertreter der kurdischen Verteidiger in der Region berichtete vom Kampf um Ras al-Ayn. Die Kurden hätten sich in nahe gelegene Dörfer zurückziehen müssen. Wie viele Kämpfer auf beiden Seiten getötet wurden, war zunächst nicht klar.

Die Kurden-Miliz YPG hatte im Jänner mit Unterstützung der US-Luftwaffe in einem erbitterten Kampf die Grenzstadt Kobane zurückerobert. Ende Februar meldete sie die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Tel Hamis und die Unterbrechung eines maßgeblichen Versorgungsweges der IS-Miliz.