Peking/Brüssel/Wien. China arbeitet schon seit längerer Zeit an einer Alternative zum federführend von den USA und Großbritannien ersonnenen Bretton-Woods-System aus Weltbank und Internationalem Währungsfonds.

2013 wurden die ersten Pläne der Asien Infrastruktur-Investitonsbank (AIIB) bekannt, am 24. Oktober 2014 wurden in Peking die Gründungsverträge unterschrieben. Vorerst würden 50 und später 100 Milliarden Dollar Kapital zur Verfügung stehen. Der Kapitalbedarf in Asien für Infrastrukturinvestitionen ist enorm: Nach einem Bericht des Asian Development Bank Institute aus dem Jahr 2010 müssen in der Dekade zwischen 2010 und 2020 rund 8 Billionen US-Dollar in die Entwicklung von Häfen, Straßennetzen, Schienennetzen, Flughäfen, Elektrizitäts-, Wasser- und-Kanalnetzen, Kraftwerken und Telekom-Infrastruktur fließen, um das weitere Wachstum der dynamischen Region sicherzustellen.

Am 19. März 2015 um 19:00 Uhr wird das Buch von Thomas Seifert "Die Pazifische Epoche" im Rahmen eines von der "Wiener Zeitung" mitveranstalteten Alpbach-Talks in der Hauptbücherei Wien (Urban Loritz-Platz 2a, 1070 Wien) vorgestellt. Anmeldung: www.alpbach.org - © Ryan Pyle/Corbis
Am 19. März 2015 um 19:00 Uhr wird das Buch von Thomas Seifert "Die Pazifische Epoche" im Rahmen eines von der "Wiener Zeitung" mitveranstalteten Alpbach-Talks in der Hauptbücherei Wien (Urban Loritz-Platz 2a, 1070 Wien) vorgestellt. Anmeldung: www.alpbach.org - © Ryan Pyle/Corbis

Vergangene Woche hatte nun Großbritannien angekündigt, sich am Aufbau der Bank beteiligen zu wollen - ein Faktum, über das Washington alles andere als erfreut war. Die USA fürchten um ihren Einfluss, wenn Investoren aus der EU, oder aus Australien, Japan oder Südkorea über das Vehikel AIIB Gelder unter Umgehung der in Washington ansässigen Weltbank für Investitionen in Asien zur Verfügung stellen. Der zuständige US-Diplomat Daniel Russel hatte den Europäern daher mehr Zurückhaltung nahegelegt.

In der britischen Tageszeitung "Guardian" wurde Stephen Spratt, ein Experte des Institute of Development Studies in Brighton mit den Worten zitiert: "Nun, da einer der wichtigsten Verbündeten der USA [Großbritannien, Anm.] sich dazu durchgerungen hat, [der AIIB] beizutreten, gibt es für die anderen Partner kaum einen Grund, das nicht zu tun. Der Rubikon ist überschritten".

Das chinesische Projekt bekommt auch aus Brüssel Unterstützung. "Ich finde einen Beitritt gut. Je mehr Länder mitmachen, desto besser", sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz am Dienstag vor Journalisten in Peking. Österreich prüft das Projekt derzeit, heißt es aus dem Finnazministerium. Dabei seien die mit einem Beitritt verbundenen Kosten mit den möglichen außenpolitischen, außenwirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Interessen Österreichs abzuwägen. Der Ministeriumssprecher weist gegenüber der "Wiener Zeitung" darauf hin, dass es noch keine gemeinsame europäische Linie gibt.