Sanaa. Luftangriffe auf den Präsidentenpalast, die angebliche Festnahme des Verteidigungsministers und Spekulationen über eine Flucht von Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi ins Ausland: Die Ereignisse im Jemen haben sich in den vergangenen 72 Stunden überschlagen.

Die schiitische Rebellengruppe der Houthis hat im krisengebeutelten Jemen bei ihrem Vormarsch in Richtung Süden die Handelsstadt Taiz, den strategisch bedeutsamen Waffenstützpunkt Al-Anad und weitere Gebiete eingenommen. Die Houthis sollen Medienberichten zufolge bereits unweit der Stadt Aden stehen, sie kontrollieren damit die wichtigsten Teile des Landes im Süden der arabischen Halbinsel.

USA ziehen sich zurück

Der Vormarsch der Houthis hat ja auch für den westlichen Anti-Terrorkampf Konsequenzen: In Al-Anad waren bis vor kurzem US-Spezialeinheiten stationiert. Von dort aus haben sie Operationen gegen die Al-Kaida, die im Jemen starke Präsenz zeigt, koordiniert. Doch nun sahen sie ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet und entschlossen sich, das Land zu verlassen.

Jemens Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi war bereits im Februar von der Hauptstadt Sanaa in die südjemenitische Hafenstadt Aden geflohen. Nun gerät er auch dort immer stärker in Bedrängnis. Er flehte daher den UNO-Sicherheitsrat und die arabischen Golfstaaten um Hilfe an. Berichte, dass sich Hadi ins Ausland begeben habe, wurden später wieder dementiert. Es hieß dann nur, er habe sich in Aden "in Sicherheit gebracht".

Die jüngsten Entwicklungen im Jemen haben die arabischen Golfstaaten jedenfalls auf den Plan gerufen. Die Arabische Liga befasst sich heute, Donnerstag, auf Vorschlag der jemenitischen Regierung auf Ministerebene mit einer möglichen Militärintervention im Jemen. Wenn der Konflikt dort nicht friedlich gelöst werde, "wird die arabische Welt die notwendigen Maßnahmen setzen, um die Region vor weiteren Aggressionen zu schützen", sagte bereits der saudische Außenminister Saud al-Faisal laut arabischen Medien.

Im Jemen spiegeln sich die Rivalitäten der gesamten Region wider: Hier prallen der Iran und Saudi-Arabien aufeinander, und das könnte einen Flächenbrand mit weitreichenden Folgen auslösen. Denn während Riad den geschwächten Präsidenten Hadi unterstützt und kein Interesse daran hat, dass die Schiiten erstarken, versucht Teheran über die Houthis, an Einfluss auf der arabischen Halbinsel zu gewinnen.

Luftangriffe möglich

Saudi-Arabien hat die Angelegenheit bereits zur Causa prima erklärt. Der außenpolitische Ausschuss hielt eine Sondersitzung ab und beschloss schweres Militärgerät an der Grenze zum Jemen zu positionieren. Der Aufmarsch könne sowohl offensiven als auch defensiven Zielen dienen, hieß es.

Denkbar sei etwa, dass die Streitkräfte Saudi-Arabiens Luftangriffe zur Unterstützung des vor schiitischen Milizen nach Aden geflohenen Präsidenten vorbereiteten, verlautete aus US-Regierungskreisen.

Der Iran dementiert zwar offiziell, die Houthis zu unterstützen. Laut Experten hat Teheran aber - wie auch im Irak, in Syrien und im Libanon - seine Finger im Jemen mit im Spiel. Die arabischen Golfstaaten werfen dem Iran schon länger vor, den Houthis Know-how geliefert und "Beobachtungspersonal" nach Sanaa entsandt zu haben.