Moskau. Russland liefert sein Flugabwehrraketen-System S-300 an den Iran - und kommt damit einer endgültigen Einigung des Westens im Atomstreit zuvor. Das Embargo Moskaus gegenüber einer Lieferung des Waffensystems sei aufgehoben, erklärte der Kreml am Montag. Als Grund nannte Russland die Fortschritte in den Atomverhandlungen mit dem Iran.

Russland will zudem Getreide, Ausrüstung und Baumaterialien an den Iran im Gegenzug für Rohöl liefern, sagte ein russischer Regierungsoffizieller der Nachrichtenagentur Reuters. Bereits vor einem Jahr hatte es laut Reuters von russischer Seite geheißen, ein Tausch verschiedener russischer Güter gegen 500.000 Barrel iranischem Rohöl im Wert von insgesamt 20 Milliarden US-Dollar werde besprochen.

Irans Öl- und Gasexporte unterliegen wegen dem umstrittenen Atomprogramm des Landes derzeit noch unter Sanktionen des Westens. Unter westlichem Druck hatte Russland 2010 einen Vertrag mit dem Iran zur Lieferung von Flugabwehrraketen des Typs S-300 annulliert. Teheran klagte Moskau daraufhin wegen Vertragsbruchs auf vier Milliarden US-Dollar (rund 3,8 Milliarden Euro). Der Kreml hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gefordert, Sanktionen gegen das islamische Land aufzuheben.

Im Atomstreit war zuletzt eine Grundsatz-Übereinkunft der UNO-Sicherheitsratsmächte und Deutschlands mit dem Iran getroffen worden. Auch in westlichen Staaten gibt es großes Interesse an iranischem Öl und Gas.

Der Iran würde laut dem zukünftigen Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) nach einem Abkommen noch bis zu fünf Jahre benötigen, um seine Ölproduktion wieder deutlich zu steigern. Wegen der Sanktionen seien die Ölanlagen der islamischen Republik nicht optimal gewartet worden erklärt Fatih Birol, der die IEA-Leitung im September übernimmt. Die Strafmaßnahmen haben zu einem Rückgang der Produktion des Opec-Staates auf etwa 1,1 Millionen Barrel pro Tag von 2,5 Millionen vor 2012 geführt.