US-Präsident Barack Obama hat vor Beginn des Gipfels erklärt, es werde dabei auch "um die russische Aggression in der Ukraine" gehen. Am Nachmittag beginnt im Schloss Elmau das zweitägige Treffen, an dem die Staats- und Regierungschefs der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und Japans teilnehmen.

Als gemeinsame Themen Deutschlands und der USA nannte der US-Präsident die Terrorbekämpfung und der Erhalt eines starken und wohlhabenden Europas. Merkel antwortete, die USA seien "trotz mancher Meinungsverschiedenheiten" ein so wesentlicher Partner, dass man im beidseitigen Interesse eng kooperiere. Entscheidend sei, dass man gemeinsame Werte teile. Zuletzt hatte es mit den USA Streit über die Spionage der NSA in Europa gegeben. Einig war man sich darüber, die Sanktionen gegen Russland beizubehalten.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den G7-Gipfel aufgerufen, mit forcierten Investitionen für mehr Wachstum in der Welt zu sorgen und sich ambitionierte Klimaschutzziele zu setzen. Die EU habe zwar inzwischen beim Wachstum mit erwarteten Zuwächsen von 1,8 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im nächsten Jahr die Kurve gekriegt. Juncker merkte aber an: "Das ist ein ungenügendes Wirtschaftswachstum." Weltweit sei ein weitaus mehr nötig, um die Herausforderungen zu bewältigen.

EU-Ratspräsident Donald Tusk forderte die Staatengruppe zudem auf, sich ehrgeizige Ziele zu setzen, um mit einer Minderung des Schadstoffausstoßes die Klimaerwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken. Er ist damit auf einer Linie mit Deutschland.

Die Beratungen des Gipfels münden in einer gemeinsamen Erklärung, in der jedes Wort nach bereits vor langer Zeit gestarteten Vorverhandlungen sorgfältig gewählt ist. Bindend sind diese Forderungen und Ziele nicht. Die G-7 hoffen jedoch, wichtige Zeichen für internationale Debatten und Verhandlungen zu setzen. Wichtig seien die Treffen für die Teilnehmer auch wegen der "intensiven Gesprächsatmosphäre", sagte Merkel in einem Interview. Davon zehre sie "lange Zeit".

Die Themen

Russland, IS und Boko Haram: Der Konflikt in der Ukraine und die von den G-7 scharf kritisierte Rolle Russlands darin sind Hauptthemen des Treffens. Zudem geht es um die Konflikte in Syrien, Irak und Libyen sowie die schwierigen Atomverhandlungen mit dem Iran. Die Staats- und Regierungschefs aus Nigeria, Tunesien und Irak sind eingeladen zu einer Debatte über die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus, wie sie etwa von der Jihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) ausgeht.

Griechenland, TTIP, Soziales: Als Reaktion auf den Konflikt mit Russland sehen sich die G-7 - Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, USA, Kanada und Japan - wieder zunehmend als "Wertegemeinschaft" und nicht nur vorrangig als kooperierende Wirtschaftsriesen. Doch das Thema Wachstum und Handel hat weiterhin einen hohen Stellenwert. Die G-7 beraten über Aussichten und Gefahren für die Weltwirtschaft - die Griechenland-Krise eingeschlossen. Zudem geht es um internationale Handelsabkommen wie den geplanten und höchst umstrittenen TTIP-Vertrag zwischen Europa und den USA. Deutschland als Gastgeber will zudem darauf dringen, dass Arbeits- und Sozialstandards in den weltumspannenden Handels- und Lieferketten eingehalten werden. Außerdem dürften sich die Gipfelteilnehmer dafür aussprechen, Frauen in den Bereichen Bildung und Unternehmertum zu stärken.

Klima und Umweltschutz: Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würde Elmau gerne zu einer wichtigen Etappe auf dem Weg zum UN-Klimagipfel Ende des Jahres in Paris machen. Dort soll ein verbindliches Abkommen zur Verringerung von klimaschädlichen Treibhausgasen verabredet werden. Angesichts der Vielzahl der Themen in Elmau droht die "Zukunft der Meere" ein Randaspekt zu werden. Dabei soll es darum gehen, Schäden durch den Abbau von Rohstoffen auf dem Meeresgrund zu vermeiden und die Vermüllung der Ozeane zu verringern.

Gesundheit: Die Ebola-Krise mit rund 11.000 Toten in Westafrika hat die Weltgemeinschaft aufgeschreckt. Die G-7 wollen Lehren aus der Epidemie zu ziehen. Ein weiterer Punkt ist die zunehmende Residenz gegen Antibiotika bei Menschen und Tieren. Eine Idee ist, die Forschung zu Antibiotika-Resistenzen international besser zu koordinieren.

Kundgebungen

Am Sonntagmorgen sind Hunderte Demonstranten von Garmisch-Partenkirchen aus zu einem Sternmarsch zum Tagungshotel Schloss Elmau aufgebrochen. Das Gelände um das Hotel ist wegen des Gipfeltreffens allerdings weiträumig abgeriegelt und wird von einem Großaufgebot der Polizei geschützt.

Bereits am Vortag hatten Tausende Menschen weitgehend friedlich in Garmisch gegen den zweitägigen Gipfel demonstriert, der von 17.000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet abgesichert wird. Die Polizei erwartet bis zu 3000 gewaltbereite Demonstranten in dem Alpenort und hat ein hartes Vorgehen gegen Gewalttäter angekündigt. Ausschreitungen wie bei der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt im März wollen die Sicherheitskräfte nicht zulassen. Beim letzten G8-Gipfel in Deutschland war es 2007 in Rostock und Heiligendamm zu massiven Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen, bei denen zahlreiche Menschen verletzt wurden.

Bis am Abend drangen wenig Informationen nach außen. EU-Diplomaten berichteten, dass es bei den Verhandlungen über das umstrittene transatlantische Handelsabkommen TTIP nach dem Willen der G-7 bis Jahresende "ernsthafte Fortschritte" geben solle. Wie das zu bewerkstelligen sein soll, war aber nicht zu erfahren. Für Sonntagabend war eine Diskussion über außenpolitische Krisenherde angesetzt. Neben der Lage in der Ukraine stand dabei um den Kampf gegen die radikal-islamischen Milizen IS und Boro Haram auf der Tagesordnung.

Die Teilnehmer

  • Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • US-Präsident Barack Obama
  • Frankreichs Präsident Francois Hollande
  • Großbritanniens Premierminister David Cameron
  • Kanadas Premierminister Stephen Harper
  • Japans Regierungschef Shinzo Abe
  • Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi
  • EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker
  • EU-Ratspräsident Donald Tusk

Am zweiten Tag stoßen zum G-7-Outreach-Treffen dazu:

  • Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi
  • Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi
  • Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari
  • Der äthiopische Ministerpräsident Hailemariam Desalegn
  • Die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf
  • Der Präsident des Senegal, Macky Sall
  • Der Präsident von Südafrika, Jacob Zuma
  • Außerdem sind wichtige internationale Organisationen vertreten:
  • UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon
  • Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde
  • Weltbank-Präsident Jim Yong Kim
  • Der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Angel Gurria
  • Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), Roberto Azevedo
  • Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Guy Ryder
  • Die Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Nkosazana Dlamini-Zuma
  • Die Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan