Juba/Wien. Es ist ein Aspekt, der das tragische Scheitern des Südsudans aufzeigt: Der jüngste Staat der Welt, der 2011 unabhängig wurde, wollte neben Erdöl vor allem Agrarprodukte exportieren - war doch der Süden des Landes mit seinen fruchtbaren Böden einst die Kornkammer Ostafrikas.

Heute kann der Südsudan seine eigene Bevölkerung nicht ernähren. Felder liegen brach, Dörfer sind zerstört. Es herrscht Bürgerkrieg, Präsident Salva Kiir und sein früherer Vize Riek Machar liefern sich einen Machtkampf, in dem ihre bewaffneten Einheiten die Bevölkerung terrorisieren. Zehntausende Zivilisten wurden getötet, zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht, irren hungrig im Land umher oder haben es in von Hilfsorganisationen eilig errichtete Flüchtlingslager geschafft, die den Ansturm aber kaum bewältigen können.

Der Bürgerkrieg ist die nächste Episode in einer von Gewalt geprägten Geschichte. Schon in den Jahrzehnten davor führte der damals noch zum Sudan gehörende Südsudan einen Krieg mit der sudanesischen Regierung um seine Unabhängigkeit. Damals wie heute ziehen plündernde Milizen, etwa Rebellengruppen oder desertierte Soldaten, durch das Land.

Die Gewalt hat viel mehr Auswirkungen auf die Landwirtschaft, als dass nur Felder brach liegen. So hat der blutige Alltag dazu beigetragen, dass die Brandrodung zurückgekehrt ist, berichtet der für die Caritas im Südsudan tätige Landwirtschaftsexperte Matthias Fettback. "Eine Straße ist immer eine Gefährdung, dort marschieren die Milizen", sagt er. Also versuchen die Bauern, außer Sichtweite zu gelangen, sie ziehen sich weiter in den Busch zurück und schaffen sich dort neue Felder. Doch nach Brandrodungen sind die Böden nur kurz fruchtbar und brauchen dann Zeit, um sich zu erholen. Dafür gibt es aber nicht genug Felder, die Böden werden deshalb zu schnell wieder bearbeitet, erklärt Fettback, der seit Jahrzehnten in Afrika arbeitet, bei einem Besuch in Wien.

Zudem hat die Gewalt dafür gesorgt, dass bäuerliche Gemeinschaften bewusst in der Subsistenzwirtschaft verharren und nur das Notwendigste erzeugen. "In dem Moment, in dem du mehr produzierst, Getreidesäcke oder Ziegen hast, wirst du zum Ziel der Milizen", sagt Fettback.

Doch Subsistenzwirtschaft kann die Bevölkerung nicht langfristig aus dem Hunger holen. Die Caritas versucht daher - neben der Nothilfe, die sie für akut Hungernde leistet - in einzelnen Projekten, eine nachhaltigere Landwirtschaft aufzubauen. Möglich ist das nur dort, wo nicht zu viel Gewalt herrscht - etwa im Bundesstaat Western Equatoria, der zwar auch eine lange Geschichte von Kämpfen hinter sich hat, aber vom derzeitigen Bürgerkrieg bisher verschont worden ist.

Dort ist Fettback tätig. Die Bauern werden in verbesserten Anbaumethoden geschult und dabei von landwirtschaftlichen Beratern betreut, berichtet er. Zudem versucht man, sie in Kooperativen zu organisieren, in denen sie besser produzieren können. Damit soll ein Beispiel gegeben werden, dass sich der Weg raus aus der Subsistenzwirtschaft lohnen kann. "Unsere Projekte sind kleine Pünktchen, von denen wir aber glauben, dass sie Multiplikatoreneffekt haben", sagt Fettback.