Handel, Gastronomie und Service in diesem Teil der Stadt sind fast zur Gänze in Händen von Syrern. Im Feinkostladen "Al-Sultan-Shop" kauft eine Ägypterin Käse. "Ich mag die Auswahl", sagt sie und blickt in die Vitrine, wo eine Vielzahl an Sorten angeboten wird: Darunter der cremige Baladi-Käse und Surke, ein zu Bällchen geformter Käse mit Thymian gewürzt. "Wir Syrer haben unser Essen mitgebracht, und die Ägypter lieben es", sagt Alshibli. "Auf diese Weise ist es uns gelungen, die Ägypter in unsere Gemeinschaft zu integrieren", schmunzelt er.

Stimmung gekippt


Doch bei Weitem nicht alle der 131.000 syrischen Flüchtlinge in Ägypten haben das Kapital, um sich selbstständig zu machen. Viele sind auf die Nothilfe des UN World Food Program (WFP) angewiesen, doch die internationale Unterstützung wird weniger. Als Alshibli nach Ägypten kam, erhielt er vom WFP monatliche Lebensmittelgutscheine im Wert von 200 Ägyptischen Pfund, etwa 23 Euro. 2015 wurde die Nothilfe auf 120 Pfund reduziert. "Es gibt Gerüchte, dass die UN ihren Einsatz in Ägypten beenden werden", sagt Alshibli. Tatsache ist, dass es dem WFP an Spendengeldern fehlt. Die Hilfe für syrische Flüchtlinge ist nur zu einem Fünftel finanziert.

Alshibli schreibt für eine oppositionelle syrische Website und verfügt so über ein kleines Einkommen. Mit seinem Studium der Medienwissenschaften an der Kairo-Universität steht er kurz vor dem Abschluss. Danach will er weg aus Ägypten, in die Golfstaaten oder nach Europa. "Ich will eine Zukunft haben", sagt Alshibli. In Ägypten sei das schwierig, da sich das Land selbst in einer Krise befinde. Viele gut ausgebildete Syrer müssen im Verkauf oder Service arbeiten. "Mir bleibt wohl nichts übrig, als weiterzureisen."

Die anfangs freundliche Stimmung gegenüber den Flüchtlingen ist inzwischen gekippt. Nachdem eine Gruppe Syrer bei Pro-Mursi Protesten gefilmt wurde, warfen zahlreiche Medien der syrischen Community Unterstützung der Muslimbruderschaft und Einmischung in die ägyptische Politik vor. Seit Juli 2013 werden keine Einreise-Visa an Syrer mehr vergeben. Manche Ägypter sagen, die Syrer nehmen ihnen die Jobs weg. "Aber wenn wir nicht arbeiten, müssen wir betteln - wollen sie das?", so Alshibli.

Bei Rosto herrscht Gedränge um die frischen Brathühner. Auch dieses Restaurant leitet ein Syrer - in der Stadt gibt es bereits vier Filialen. An den Tischen am Straßenrand haben die ersten Gäste zum Iftar Platz genommen, sie scherzen und lachen. "Warum auch nicht", sagt Alshibli, "wir haben das Schlimmste durchgemacht, was kann uns schon noch passieren?"