Istanbul. Der Anti-IS-Koalition droht nach Ansicht der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) das Aus, falls die Türkei ihre Luftangriffe gegen PKK-Stellungen im Nordirak weiterführen sollte. "Wir kämpfen alle an der gleichen Front gegen den IS", sagte der operative PKK-Führer Cemil Bayik der ARD bei einem Treffen im nordirakischen Kandil-Gebirge.

Die PKK sei der wichtigste Unterstützer der syrischen Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen und habe entscheidend dazu beigetragen, diese in Syrien zurückzudrängen. "Wenn die Vereinigten Staaten jetzt wegschauen, wenn PKK-Einheiten schwere Schläge erleiden - wie kann da der Kampf gegen den IS noch erfolgreich sein?", fragte Bayik. Nur wenn die Kurden Hilfe der Koalition bekämen, könnten der IS, die Jihadistische Al-Nusra-Front und andere Gruppen geschwächt werden.

Zugleich bestritt der PKK-Mitbegründer Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, wonach im Nordirak bisher 390 Mitglieder der Arbeiterpartei LKurdistans durch türkische Luftangriffe getötet und rund 400 weitere verletzt worden seien. Insgesamt seien nur sieben PKK-Kämpfer ums Leben gekommen und neun verletzt worden, sagte Bayik. Allerdings sei die Zahl der getöteten Zivilisten erheblich. Zur Gesamtzahl der Opfer machte er keine Angaben.

Dass die Türkei der Anti-IS-Koalition beigetreten sei, habe hauptsächlich einen Grund: Sie wolle in Syrien eine Pufferzone zwischen der Grenzstadt Kobane und dem viel weiter westlich im Grenzgebiet zur Türkei gelegenen Afrin einrichten, "damit die Kurden sich dort nicht zusammenschließen können".