Die Chefin der UNO-Kulturorganisation UNESCO, Irina Bokowa, hat am Dienstag die Zerstörung des Baaltempels im syrischen Palmyra durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) als "unerträgliches Verbrechen gegen die Zivilisation" bezeichnet. Jeder dieser Angriffe fordere dazu auf, das Erbe der Menschheit in Museen, Schulen, Medien und zu Hause zu teilen, hieß es in einer UNESCO-Mitteilung.

"Die Energie der Kultur ist stärker als jeder Fanatismus und nichts kann sie ersticken", sagte Bokowa. Die Zerstörung des Baaltempels durch die Terrormiliz ist nach Einschätzung der Vereinten Nationen aufgrund von Satellitenbildern bewiesen. Die Satelliten-Analyse von Unosat bestätige, dass das Hauptgebäude des Tempels zerstört sei, teilte die UNO-Organisation in der Nacht zum Dienstag über ihren Twitter-Account mit.

Der Manager der UNO-Agentur Unosat, Einar Bjorgo, sagte dem britischen Sender BBC, die Bilder zeigten, dass das Hauptgebäude des Tempels zerstört sei. Das gelte auch für die Säulenreihe in der Nähe. Aktivisten hatten berichtet, die Extremisten hätten den rund 2000 Jahre alten Baaltempel gesprengt.

Die IS-Terrormiliz kündigte an, weitere Tempel und andere einzigartige Altertümer in Schutt und Asche zu legen. Die Zerstörung gehe bis zum letzten Gebäude weiter, zitierte die syrische Oppositionsseite Masar Press einen Anhänger der Extremisten.

Der weltberühmte Baaltempel aus römischer Zeit bildet den größten Komplex in dem UNESCO-Weltkulturerbe. Erst vor einer Woche hatten Aktivisten gemeldet, der IS habe in Palmyra den rund 2.000 Jahre alten Tempel Baal Shamin gesprengt.

Die Terrortruppe hatte Palmyra Ende Mai eingenommen, nachdem zuvor Regierungseinheiten niedergekämpft worden waren. Seitdem herrscht weltweit Sorge, dass die Extremisten die historischen Stätten als "Zeugnisse der Vielgötterei" nach und nach zerstören - so wie sie es bereits im Nordirak mehrfach getan haben.