Doch die einzelnen SDG-Ziele unterscheiden sich stark in Bezug auf ihre Konkretheit. So klingt manches eher wie eine vage Vision, anderswo werden hingegen klare Vorgaben gesetzt. Dass die Armut beendet und somit kein Mensch mehr unter 1,50 Dollar leben soll, ist eine sehr klare Vorgabe. "Nachhaltige Konsum- und Produktionsstrukturen sichern" - so lautet Ziel 12 - hört sich wiederum sehr schwammig an. Allerdings kann hier noch Klareres kommen. Die Indikatoren, nach denen die Umsetzung der SDGs gemessen werden soll, werden erst erarbeitet und sollen im Frühling nächsten Jahres umgesetzt werden. Dies wird aber wohl wenig an einem wesentlich Schwachpunkt der Nachhaltigkeitsziele ändern, den viele Experten beklagen: Sie sind nicht verbindlich.

Eine Frage des Geldes


Entscheidend wird wie schon bei den MDGs aber letztlich die Finanzierung sein. Und da stehen enormen Kosten schrumpfenden Budgetspielräumen in den Geberländern gegenüber. So wird die Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda Schätzungen zufolge jedes Jahr zwischen 3,5 und fünf Billionen Dollar kosten. Die Hilfszahlungen der Industrieländer erreichten 2013 mit 134,8 Milliarden US-Dollar zwar einen neuen Höchststand. Doch noch immer halten sich die wenigsten Geberländer an das regelmäßig abgegeben Versprechen, die Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts anzuheben. Lediglich Dänemark, Norwegen, Schweden, Luxemburg und Großbritannien gaben 2014 so viel Geld aus. In vielen Ländern wurden die Gelder für Entwicklungshilfe angesichts von Budgetsorgen und Sparprogrammen zuletzt sogar zusammengestrichen. Österreich, das derzeit bei 0,26 Prozent liegt, kündigten nach Jahren der Kürzungen vor kurzem an, die Entwicklungsausgaben bis 2030 auf 0,7 Prozent anzuheben. Noch weiter zurück liegt allerdings die größte Wirtschaftsmacht der Welt: Die USA geben nur 0,19 Prozent des BIP für Entwicklungszusammenarbeit aus.

Der mangelnde politische Wille wird allerdings auch bei zahlreichen Entwicklungsländern geortet. Korruption, Klientelpolitik und die schlechte Regierungsführung autoritärer Regime lassen die Hilfsdollars vielerorts versickern. Wie viel sich mit dem nötigen Willen erreichen lässt, zeigt das Beispiel Malawi. Einst das Armenhaus Afrikas, wurde das ostafrikanische Land dank massiver Investitionen in die Landwirtschaft und der Ausgabe von verbessertem Saatgut und Dünger binnen drei Jahren zum Nahrungsmittelexporteur. Die größten Erfolge in der Armutsbekämpfung seit dem Jahr 2000 haben aber ohnehin nichts mit Hilfsgeldern zu tun. Dank des wirtschaftlichen Aufstiegs von Ländern wie China oder Brasilien sind dort hundert Millionen Menschen der bittersten Not entkommen.