Abidjan/Wien. (klh/reu/dpa) Der Fußballstar Didier Drogba betätigt sich derzeit als politischer Botschafter. "Election c pas gnaga" verkündet er in einem Videospot. Das ist Nouchi, der Slang, der vielerorts in Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) gesprochen wird, und bedeutet so viel wie: "Bei den Wahlen geht es nicht um Gewalt".

Das westafrikanische Land wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten, und das ruft böse Erinnerungen an den letzten Urnengang vor fünf Jahren wach: Damals weigerte sich Amtsinhaber Laurent Gbagbo seine Niederlage gegen Alassane Ouattara einzugestehen - und das Land, das plötzlich zwei Staatschefs und zwei Armeen hatte, fand sich in einem bewaffneten Konflikt wider, der 3000 Todesopfer forderte. Schließlich beendete die UNO, die mithilfe französischer Truppen eingriff, die Auseinandersetzungen. Der 65-jährige Gbagbo ist mittlerweile vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag für Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Dort befindet er sich bis zum voraussichtlichen Beginn des Prozesses im November in Haft.

Nun herrscht Angst, dass es bei diesen Wahlen erneut zu Ausschreitungen kommen könnte. Der Ton während des Wahlkampfes ist oft martialisch. Allerdings verweisen Beobachter darauf, dass mit einem recht eindeutigen Ausgang der Wahl zu rechnen ist, was weniger Raum für Auseinandersetzungen lassen würde. Klarer Favorit ist nämlich Amtsinhaber Ouattara.

Und dass er für Stabilität sorgen wird, ist auch eines der großen Versprechen des 73-Jährigen. Zudem wirbt der früher beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beschäftigte Volkswirt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, den er gebracht hat. Während Ouattaras fünfjähriger Amtszeit hat Côte d’Ivoire ein durchschnittliches Wachstum von rund neun Prozent verbuchen können. Ouattara war es zudem ein Anliegen, die Wirtschaft des weltweit größten Kakaoproduzenten zu diversifizieren. Auch wurde viel in Infrastrukturprojekte wie neue Straßen investiert, um Investoren anzulocken.

Der größte Herausforderer unter den sieben Gegenkandidaten von Ouattara, Pascal Affi N’Guessan, wirft dem Amtsinhaber aber vor, dass dabei die Armen zu wenig mitgenommen wurden. Und deren Frust würde wiederum die Stabilität gefährden, argumentiert der 62-Jährige, der der einst von Gbagbo angeführten Ivorischen Volksfront angehört.

Auch ein anderer Vorwurf dürfte Ouattara einige Stimmen kosten: dass es in den vergangenen Jahren eine Siegerjustiz gab. Während seiner ersten Amtszeit ließ Ouattara zahlreiche Anhänger seines Vorgängers Gbagbo verhaften, die während der Gewaltwelle im Jahr 2010 eine führende Rolle gespielt hatten. Ouattaras Anhänger kamen hingegen weitgehend unbestraft davon - obwohl auch ihnen viele Verbrechen vorgeworfen werden. Zudem beschuldigt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Regierung, Oppositionsanhänger im Vorfeld der Wahlen eingeschüchtert zu haben. Ouattara wies die Vorwürfe zurück.

Falls er wider Erwarten weniger als 50 Prozent der Stimmen erhalten sollte, muss Ouattara sich einer Stichwahl stellen. Doch Analysten halten dieses Szenario trotz aller Kritik an dem Präsidenten für höchst unwahrscheinlich.