Beirut/Moskau/Wien. (af/red) Der Islamische Staat (IS) entwickelt sich von einer in Syrien und im Irak kämpfenden Miliz zur regional und vieleicht bald global operierenden Terrororganisation: Der jüngste einer ganzen Reihe von IS-Anschlägen war gegen die Hisbollah gerichtet, die die syrische Armee im Kampf gegen den IS unterstützt: Ein Doppel-Attentat in dem Beiruter Vorort Burj al-Barajneh, einer Hochburg der Hisbollah, tötete am Donnerstag mindestens 43 Menschen und verletzte 239. Selbstmordattentäter hatten Sprengtsätze gezündet, der IS bekannte sich zur Tat.

Zuvor war über dem Sinai eine russische Passagiermaschine abgestürzt, mehr als 200 hauptsächlich russische Passagiere fanden den Tod. Absturzursache war mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Bombe, der IS bekannte sich ebenfalls zu der Tat. Russland unterstützt die syrische Armee im Kampf gegen die Rebellen, die Terrormiliz hat bereits mehrfach mit Anschlägen, auch auf russischem Territorium, gedroht.

Die Kurden, die dem IS im Irak und in Syrien militärisch schwer zu schaffen machen, waren bereits das Ziel zweier Anschläge. Im Juli riss ein IS-Selbstmordattentäter in der türkischen Grenzstadt Suruc 33 Menschen mit in den Tod. Am 10. Oktober sprengten sich zwei IS-Terroristen in Ankara in die Luft, mehr als 100 Menschen starben. Einer der Täter wurde als Bruder des Attentäters von Suruc identifiziert.

Syrien-Konferenz in Wien


Terrorexperten warnen: Der IS breitet sich aus, er hat bereits in Libyen und im Jemen Fuß gefasst und treibt in Afghanistan sein Unwesen. Die Islamisten sind oft gut in die Bevölkerung integriert und dadurch schwer bekämpfbar. Und IS-Terroranschläge könnte es bald regelmäßig überall geben.

Um den IS wird es auch bei der Syrien-Konferenz in Wien am Samstag gehen. Generell gibt es keine großen Hoffnungen auf eine rasche Lösung. US-Außenminister John Kerry betont, dass wohl noch Jahre verhandelt werden wird. Am Samstag geht es um die Klärung der Frage, welche der in Syrien kämpfenden Gruppen die Bezeichnung "terroristisch" bekommen. Hier herrscht auch zwischen den USA und Russland keine Einigkeit. Es gebe "überhaupt keinen Grund für Optimismus und erst recht nicht für Euphorie", meinte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor dem Start der Konferenz. Angela Merkel hofft immerhin auf "kleine Fortschritte". Der Iran wird als wichtigster Unterstützer Assads dieses Mal nicht hochrangig vertreten sein. Auch die syrischen Konfliktparteien werden nicht nach Wien kommen.