Washington/Wien. Donald Trump ist das fleischgewordene Symbol der Dekadenz und des Niedergangs der republikanischen Partei.

Der Multimilliardär aus New York (Vermögen: 4,5 Milliarden Dollar und somit Platz 405 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt) hat nach dem Terroranschlag von San Bernadino, Kalifornien, bei dem 14 Menschen getötet wurden, einmal mehr mit Verbalprovokationen auf sich aufmerksam gemacht. Seiner Meinung nach sollten die Vereinigten Staaten allen Muslimen die Einreise verweigern, sagte er nach dem offenbar vom sogenannten "Islamischen Staat" inspirierten Anschlag auf ein Sozialzentrum.

Man könnte Donald Trump als populistischen, demagogischen Wirrkopf à la Milliardärskollege Frank Stronach oder Richard Lugner abtun, seine republikanischen Parteikollegen sind in ihren Aussagen oft nicht weit von jenen des New Yorker Provokateurs entfernt.

Frank Stronach ist übrigens auf der "Forbes"-Liste weit hinter Trump, sein Vermögen wird mit 1,4 Milliarden Dollar beziffert. Und Richard Lugner, der Präsidentschaftskandidat von 1998, sitzt nach eigenen Angaben auf einem Schuldenberg von 65 Millionen Euro.

Trump ist nicht allein

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hat die Bundesregierung und eine NGO verklagt, um zu erreichen, dass Texas keine Flüchtlinge aufnehmen muss. Die Weigerung des Bundesstaates Indiana (ebenfalls republikanisch regiert) hat eine Flüchtlingsfamilie gezwungen, Schutz in Connecticut zu suchen. Und im republikanisch regierten Georgia will man Flüchtlingen Hilfen wie Essensmarken verweigern und verhindern, dass die Kinder zur Schule gehen dürfen, kritisiert die "New York Times" in einem Leitartikel.

Das Parteiestablishment hat mit ihm wenig Freude, sogar Dick Cheney, éminence grise neben dem 42. US-Präsidenten George W. Bush stimmte nach den provokanten Äußerungen in den Chor der Kritiker ein, indem er sagte: "Die Idee, wir könnten einfach sagen: ‚Keine Muslime mehr‘ und wir könnten einer ganzen Religion einfach die Einreise verbieten, geht gegen alles, wofür wir als Nation stehen und woran wir glauben."

Die jüngsten Meinungsumfragen aus den USA sprechen aber eine andere Sprache und werfen ernste Fragen auf: Schließlich ist Trump der derzeit dominierende Kandidat im republikanischen Feld. 35 Prozent der republikanischen Wählerinnen und Wähler in den Vorwahlen unterstützen Donald Trump. Der Multimilliardär mit der markanten Haartolle führt damit weit vor dem texanischen Senator Ted Cruz (16 Prozent) und dem Neurochirurgen und Evolutionstheorie-Zweifler Ben Carson (13 Prozent). Marco Rubio, Senator aus Florida liegt in den derzeitigen Umfragen bei 9 Prozent.

Während die republikanische Basis Trump präferiert, ist die US-Wählerschaft alles andere als begeistert. 24 Prozent der befragten Wahlberechtigten zeigten sich besorgt über die Perspektive eines möglichen US-Präsidenten Donald Trump, 40 Prozent meinten, dieser Gedanke ließe Angst in ihnen aufsteigen.

Trump, quo vadis?

Aber wie geht es weiter mit Donald Trump, dem von der Basis geliebten Kandidaten, der dem Parteiestablishment immer unheimlicher wird?

Die Partei-Eliten werden alles daransetzen, dass Trump nicht als Spitzenkandidat der Partei antreten kann. Mit seiner Schrillheit verstört er einfach zu viele Wähler und wäre kein Kandidat, der gegen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton gewinnen kann.

Sollten die Republikaner ihn aber nicht aufstellen, so ist dem Mann mit dem gigantischen Ego zuzutrauen, dass er als unabhängiger Kandidat (wie 1992 der 3,7 Milliarden Dollar schwere Ross Perot) antritt. In diesem Fall, so ein US-Experte gegenüber der "Wiener Zeitung", könne die demokratische Kandidatin Hillary Clinton "gleich mal die Gardinen für das Oval Office im Weißen Haus anmessen. Sie wäre damit faktisch US-Präsidentin." Warum das so wäre? Ein nicht unbeträchtlicher Teil der republikanischen Wählerschaft könnte Trump die Stimme geben. Der republikanische Kandidat hätte nur äußerst geringe Chancen auf eine Mehrheit, Clinton wäre der Sieg so gut wie sicher. Vertreter des republikanischen Parteiestablishments verbreiten daher - allerdings nicht immer ernst gemeint - die Verschwörungstheorie, dass Trump Hillary Clintons bester Wahlkampfhelfer sei.

US-Präsident Barack Obama hält Donald Trump als amerikanischen Präsidenten jedenfalls für untauglich, die Republikaner müssten sich fragen, ob sie mit Donald Trump in der "Mülltonne der Geschichte" landen wollten, wie Präsidentensprecher Josh Earnest es formulierte.