München. (dpa/sei) Syrien, Daesh, also der Islamische Staat, und die Ukraine beherrschen die Tagesordnung der derzeit im Hotel Bayrischer Hof stattfindenden Münchner Sicherheitskonferenz. Mehr als 30 Staats- und Regierungschefs stehen heuer auf der Gästeliste. Einer, den Konferenzchef Wolfgang Ischinger gerne dabei gehabt hätte, fehlt aber: Wladimir Putin.

Der russische Präsident ging vor neun Jahren mit einer gegen die Nato und die USA gerichteten Brandrede in die Annalen des weltweit wichtigsten sicherheitspolitischen Forums ein. Seitdem ist er der Konferenz ferngeblieben. Auch diesmal schickt er nur den zweiten Mann im Staat, Regierungschef Dmitri Medwedew, nach München. Darin könnte aber auch eine Chance liegen.

Medwedew komme ausdrücklich als Vertreter Putins zu der an diesem Freitag beginnenden Konferenz, sagt Ischinger. Und im Gegensatz zum Präsidenten ist der Regierungschef nicht für scharfe Reden bekannt. "Die Entscheidung, Medwedew zu schicken, könnte man als Friedensangebot Putins verstehen", heißt es in Diplomatenkreisen. Die Rede Medwedews am Samstag wird also einer der Höhepunkte der Sicherheitskonferenz sein. Es wird vor allem darum gehen, was er zu Syrien sagt. Die Außenminister werden ihre Debatten über Syrien, die am Donnerstag begonnen haben, am Wochenende auf offener Bühne im Bayerischen Hof weiterführen.

Das Team um Ischinger hat die wichtigsten Zahlen zu den derzeit schwelenden Weltkrisen zusammengetragen: Aus dem "Munich Security Report 2016" geht hervor, dass die Zahl der Anschläge, die auf das Konto von Daesh (Islamischer Staat IS) gehen seit Mai 2015 rückläufig ist, das Operationsgebiet reicht vom Irak über Syrien bis in den Libanon und die Halbinsel Sinai und sogar noch weiter bis nach Afghanistan, Nigeria, Tschad und Kamerun. Der Großteil der Kämpfer rekrutiert sich aus dem nahen Osten, dem Maghreb und Westeuropa, die meisteneuropäischen Daesh-Kämpfer stammen aus Frankreich (rund 1700), gefolgt von Großbritannien und Deutschland (je rund 760), Belgien (rund 740), sowie Schweden und Österreich (je 300).

Syrien wird in München jedenfalls das alles beherrschende Thema sein. Aber was ist mit den zahlreichen anderen Krisen? Im vergangenen Jahr stand die Ukraine ganz oben auf der Agenda. In München wurden die Weichen für den Krisengipfel in Minsk gestellt, bei dem sich Russland und die Ukraine unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs auf ein Friedensabkommen verständigten.

Es jährt sich am Freitag pünktlich zum Auftakt der Sicherheitskonferenz zum ersten Mal. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko wird in München eine Bilanz ziehen, die ernüchternd ausfallen dürfte. In der Ostukraine konnten die erbitterten Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen immer noch nicht beendet werden.

Munich Security Report 2016:

http://report.securityconference.de/