Am Dienstagabend wurde unter Beobachtern spekuliert, ob die Absage nicht auch wegen Problemen zwischen Reformern und Hardlinern innerhalb des Regimes erfolgte. Gegen die offizielle Begründung von Rohanis Absage spricht, dass der Präsident noch vor wenigen Tagen einen Besuch in Pakistan absolviert hatte - wo die Sicherheitslage deutlich schlechter als in Österreich ist. Damals hatte der iranische Nationale Sicherheitsrat, der für den Präsidenten vor Auslandsreisen die Gefahrenlage evaluiert, nicht von einer Reise abgeraten. Mit der Wien-Visite wurde nun auch ein geplanter Besuch Rohanis im irakischen Bagdad abgesagt.

Wirtschaft enttäuscht


Besonders hart trifft die Absage die österreichische Wirtschaft. Hier war die Vorfreude ob der Aussicht auf lukrative Geschäfte mit der Islamischen Republik besonders groß, nachdem die Wirtschaftssanktionen wegen des Atomstreits heuer zu Jahresanfang beendet worden waren. Dutzende iranische Geschäftstreibende wollten am Donnerstag bei einem großen Wirtschaftsforum Österreich-Iran gemeinsam mit dem iranischen Handelsminister Mohammadreza Nematzadeh die wirtschaftlichen Beziehungen zu Österreich vertiefen und Neuinvestitionen lukrieren. Von Wirtschaftsminister Mitterlehner hieß es am Dienstagabend, dass man "die Zusammenarbeit mit dem Iran weiter intensivieren und das persönliche Gespräch bei nächster Gelegenheit nachholen" werde. "Engere Handelsbeziehungen wirken vertrauensbildend und unterstützen politische Fortschritte." Ziel bleibe es, die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und dem Iran weiter auszubauen, betonte der Wirtschaftsminister.

Einige der am Donnerstag geplanten Veranstaltungen sollen laut Insidern nun dennoch stattfinden, denn einzelne iranische Handelstreibende seien in Wien und wären zum Dialog mit ihren österreichischen Partnern bereit, hieß es. Auch abseits der Rohani-Reise befinden sich nämlich derzeit mehrere große iranische Business-Gruppen in Wien. Die Wirtschaftskammer will die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder natürlich ausbauen.

Kritiker der Rohani-Reise dürften sich hingegen freuen: Durch die Absage fallen nun wohl auch sämtliche Proteste gegen den umstrittenen Besuch ins Wasser. Zu den Kundgebungen hatten verschiedene Gruppierungen aufgerufen: Der exiloppositionelle Nationale Widerstandsrat Iran etwa wollte protestieren, weil "Rohani und andere führende Vertreter des iranischen Regimes durch dieser Besuch nur ermutigt werden würden, ihre Politik der Menschenrechtsverletzungen und Kriegstreiberei in der Nahost-Region fortzusetzen". Auch die Plattform "Stop the Bomb" wollte auf die Straße gehen.