Istanbul. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Bombenanschlag in Istanbul verantwortlich gemacht, bei dem am Dienstagmorgen mindestens elf Menschen getötet wurden.

Es sei "nichts Neues", dass "die Terrororganisation" ihre Anschläge in großen Städten verübe, sagte Erdogan nach einem Besuch von Verletzten des Anschlags in einem Krankenhaus in Istanbul. "Terrororganisation" ist die übliche Bezeichnung der türkischen Regierung für die PKK.

Wieder aufgeflammter Konflikt

Zu dem Angriff am zweiten Tag des muslimischen Fastenmonats Ramadan bekannte sich zunächst niemand. Die Behörden in der Türkei sind wegen des wieder aufgeflammten Kurdenkonflikts und den sich häufenden Attentaten in höchster Alarmbereitschaft. Seit Jahresbeginn wurden in Istanbul und Ankara mehrere Anschläge verübt, die der Miliz Islamischer Staat (IS) oder militanten Kurden zugerechnet wurden.

"Dieser Anschlag ist unverzeihlich", sagte Erdogan. Er kündigte an, den "Kampf gegen den Terrorismus bis zum Ende" fortzusetzen, "bis zur Apokalypse". Die türkische Armee geht im Südosten des Landes bereits mit aller Härte gegen PKK-Kämpfer und ihre Sympathisanten vor. Der Militäreinsatz gegen den von der PKK ausgerufenen "Aufstand" in den Städten der Kurdenregion trieb zahlreiche Bewohner in die Flucht.

Anschläge auf türkische Sicherheitskräfte schreiben die Behörden oft kurdischen Rebellen zu. Erst im Mai wurden bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Militärfahrzeug in der Nähe einer Kaserne in Istanbul acht Menschen verletzt, unter ihnen mehrere Soldaten. Zu dem Attentat bekannte sich die verbotene PKK.

Für zwei Anschläge in Ankara mit dutzenden Toten im Februar und März übernahm die Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) die Verantwortung. Sie wird dem PKK-Umfeld zugerechnet. Die Freiheitsfalken wollten sich nach eigenen Angaben für die Opfer der Armeeoffensive im Südosten der Türkei rächen. Das Militär geht dort seit Sommer 2015 mit aller Härte gegen Kurdenrebellen vor.

In den vergangenen Monaten gab es in der Türkei zudem mehrere Anschläge, die der Jihadistenmiliz IS zugeschrieben werden. Dazu zählen der Selbstmordanschlag, bei dem im Jänner in Istanbul zwölf deutsche Touristen getötet wurden, sowie ein Selbstmordattentat in einer Istanbuler Einkaufsstraße im März, bei dem vier ausländische Touristen getötet wurden, darunter drei Israelis.

Kurz nach dem Anschlag im März hatte die Regierung in Berlin die deutsche Botschaft in Ankara, das deutsche Generalkonsulat in Istanbul sowie die deutschen Schulen in beiden Städten wegen Hinweisen auf geplante Anschläge vorübergehend schließen lassen.

Im April warnte die US-Botschaft in der Türkei ihre Landsleute vor Anschlägen. Es gebe "ernstzunehmende Anschlagsdrohungen" gegen beliebte Touristenziele, darunter vor allem öffentliche Plätze und die Uferpromenaden in Istanbul und dem Badeort Antalya. Die US-Bürger wurden zu "äußerster Vorsicht" in der Nähe solcher Orte aufgerufen.