Istanbul. Der Zug hielt im U-Bahnhof Vezneciler, als es plötzlich einen mächtigen Knall gab und der Waggon hin- und herschaukelte. "Ich konnte nichts mehr hören und dachte sofort: ein Erdbeben!", sagt Hilal Kizilkaya über den Moment, als am Dienstagmorgen eine Autobombe über dem Metroschacht in der Istanbuler Altstadt explodierte, direkt vor der Istanbul-Universität und nur knapp tausend Meter vom berühmten Großen Basar entfernt. Die junge Frau wollte in der Station Vezneciler aussteigen, weil sie als Empfangsdame im nahegelegenen Hotel Mosaic arbeitet. Es war genau 8.41 Uhr, Hilal Kizilkaya hat auf die Uhr gesehen. In der U-Bahn und auf dem Bahnhof brach Panik aus. "Die Menschen schrien und liefen durcheinander. Viele waren Studenten, die zur Uni wollten. Alle hatten Angst", berichtet sie.

"Die Terrororganisation"

Der Angriff auf einen Polizeibus im Istanbuler Zentrum sei mit einer ferngezündeten Bombe ausgeführt worden, erklärte der Istanbuler Gouverneur Vasip Sahin am Dienstagmittag. Unter den Toten seien sieben Polizisten und vier Zivilisten, 36 Menschen wurden verletzt. Die verheerende Detonation erschütterte die Istanbuler Altstadt nur fünf Monate nach dem Terroranschlag auf deutsche Touristen nahe der weltbekannten Blauen Moschee im Jänner mit elf Toten und drei Monate nach einer Attacke auf israelische Touristen in der Einkaufsstraße Istiklal Caddesi mit vier Toten, beide ausgeführt von mutmaßlichen Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Zu der Attacke am zweiten Tag des Fastenmonats Ramadan bekannte sich zwar zunächst niemand, doch diesmal wollten die Terroristen offenkundig nicht Touristen, sondern Sicherheitskräfte treffen, was auf kurdische Extremisten hinweist. Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte bereits wenige Stunden nach dem Anschlag, es sei "nichts Neues", dass "die Terrororganisation" ihre Anschläge in großen Städten verübe. "Die Terrororganisation" ist die übliche Bezeichnung der türkischen Regierung für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die auch von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Erdogan erklärte, für derartige Anschläge könne es weder Pardon noch Vergebung geben. "Wir werden unseren Kampf gegen den Terrorismus unermüdlich bis zum Ende fortsetzen." Ein Gericht in Istanbul erließ eine eingeschränkte Nachrichtensperre.